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Von: Toni Kaatz am 27. Juni 2009 keine Kommentare
Die Dinge negativ zu sehen und sich wünschen zukünftig woanders zu sein, fällt in Bangladesch scheinbar leicht. Diese Einstellung ist ärgerlich und wenig zielführend, gleichzeitig aber oft zu vernehmen von Leuten, die hier arbeiten (auch ich bin freilich nicht frei davon). Trotz seiner immensen Probleme ist das Land friedlich und stabil, im Gegensatz zu einer ganzen Reihe anderer Staaten in der Welt mit geringeren Bevölkerungsdichten und günstigeren natürlichen Ausgangsbedingungen (keine Überflutungen, Tsunamis, Wirbelstürme, Erdbebengefahr).
Statt zu sich mokieren, was in Bangladesch alles verkehrt läuft (worüber zweifellos der eine oder andere Abend vergeht), stellt sich mir die Frage, was die Welt von Bangladesch lernen kann. Die Zukunft passiert gleichzeitig und überall, eben auch im Land der Bengalen. Was hier nicht greift, sind traditionelle Fortschrittsüberlegungen: ohne dass in den Dörfern jemals Festnetztelefone existiert hätten, sind die Bangladeschis längst alle mobil vernetzt. Bengalische Manpower baut moderne 16-Geschosser ohne Kran, dafür mit Bambusgerüsten, in die Höhe. Die Mechanisierung von Industrie und Landwirtschaft würde Millionen Arbeitsplätze kosten, was bei steigenden Bevölkerungszahlen (die sicher sind) zu erheblichen sozialen Spannungen führen dürfte. Umweltfreundlich, weil energieeffizient und ressourcenschonend ist massenhafte Handarbeit allemal. Das gleiche gilt für Rikschas im Vergleich zu Mopeds oder Autos. Für Massenkonsum wiederum nicht. Wenn es ein Land gibt, das gar keine Alternative hat zu einer ökologischen (eben nicht industriellen) wie sozialen Marktwirtschaft hat, dann ist es Bangladesch.
Die Faktoren (Urbanisierung, Bevölkerungswachstum, Wasser, Klima), die die Zukunft des Landes bestimmen, erscheinen mir eher dynamisch, denn zwangsläufig bedrohlich. Ein gewisses Maß an Kreativität ist allen Menschen eigen, umso mehr, wenn Überlebensstrategien gefragt sind. Das lehren die Slums. Not macht erfinderisch, sagt man. Existenzielle Not bringt geniale Einfälle, hofft man. Ist diese Kreativität auch kollektiv existent, wenn es um das Überleben eines Volkes geht? . Ihr kulturelles Überleben haben die Bangladeschis den Pakistanern zum Preis von drei bis vier Millionen Toten und der Totalzerstörung der Infrastruktur abgerungen. Bangladesch hat Anfang der Siebziger mit nichts angefangen und existiert noch immer, obgleich die Probleme niemals kleiner wurden und selbst gestandene Analysten der Außenpolitik keine Zukunft für das Land sahen. Wichtige Kennzahlen in Gesundheit (Mütter- und Kindersterblichkeit etwa) und Ernährung verbessern sich seither stetig. Von einem Wunder zu sprechen, angesichts der furchtbaren Übermenschung einiger Orte in Bangladesch, wäre unangemessen. Ein bisher noch stabiles, wenn auch nicht geplantes, Sozialexperiment ist Dhaka aber allemal. Im Vergleich zu Städten wie Rio de Janeiro, Kapstadt oder Lagos kommen die Menschen hier erstaunlich gut miteinander aus.
Die Armut der Städte beurteilt man als Besucher aus Europa undifferenzierter, als diejenigen Bangladeschis, die ihren Lebensstandard mit dem Umzug vom Land in die Stadt von „null“ auf „null plus x“ aufgewertet und vielleicht den Aufstieg von "hardcore poor" (das Überleben steht jeden Tag auf der Kippe) in die Gruppe der "moderate poor" (Unterkunft, Essen, Wasser, Strom sind soweit gesichert) geschafft haben. Geschenkt wurden ihnen das nicht. Mit unendlicher Geduld betteln sich die Behinderten ihr Tagbrot zusammen, unendliche Ausdauer sichert den Rikscha-Fahrern und Textilarbeiter/innen und deren/ihren Familien ihr Einkommen, unendlich die, über Jahrzehnte gezwungenermaßen erlernte, Opferbereitschaft. Warum sollte das Land keine Chance haben die Herausforderungen von morgen zu meistern?
Lösungen werden hier gefunden werden, auch wenn der Preis hoch sein wird; Lösungen, die anderswo in der Welt Anwendung finden werden.
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Bangladesh
Zukunft
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Von: Toni Kaatz am 31. Mai 2009 keine Kommentare
Kategorie: Nachrichten Archiv
Dhaka, die Hauptstadt Bangladeschs ist eine der am schnellsten wachsenden Mega Citys der Welt. Die genaue Einwohnerzahl ist unklar, Schätzungen gehen von bis zu 15 Millionen aus. Etwa drei Millionen Einwohner leben in Slums und sehen sich einem erheblichen Mangel an öffentlicher (Grund-)Versorgung gegenüber. Das Problem ist oft, dass die Armensiedlungen, juristisch gesehen, illegal errichtet sind, das heißt kein legaler Titel für ihren Aufenthalt auf dem besiedelten Land existiert. Dieser Umstand macht es umso komplizierter für die Slum-Bewohner ihre Grundrechte einzufordern. Behörden wie die Stadtverwaltung von Dhaka (DCC), ignorieren meist die Illegalität der Slum-Bewohner, obwohl diese wertvolle Dienste für die Stadt leisten. Leider scheint es, dass die Bewohner der Armensiedlungen ohne ein Pfand gegenüber den Behörden in der Hand geringe Aussichten auf die Verbesserung ihrer Versorgungssituation haben.
Unter diesen Ausgangsbedingungen fand eine Gemeinschaft von Telugu einen Weg ihre Lebenssituation zum Besseren zu verändern. Die Telugu sind ein Volk indischen Ursprungs (Andra Pradesh), mit eigener Sprache und Kultur, die meisten von ihnen Hindus der untersten Kaste und Christen. Als eine verheerenden Dürre Ende der 1940er ihr Leben als Bauern unmöglich machte, machten die britischen Kolonialherren ihnen ein „geruchvolles“ Angebot: wenn sie einwilligten, nach Dhaka umzuziehen, um dort als Stadtreiniger (Sweeper) zu arbeiten, wäre ihnen Unterkunft und Essenversorgung sicher. Die Stadt brauchte die „Sweepers“, um sich um die Entsorgung aller möglichen Formen von Abfall, der in einer Großstadt anfällt, zu kümmern. Arbeit, die traditionell von Mitgliedern der untersten Hindu-Kaste („Unberührbare“) verrichtet wird. „Ohne wirkliche Alternativen zu haben, stimmten unsere Vorfahren zu und zogen 1947 nach Dhaka“, erzählt John Sander, einer der lokalen Vertreter der Telugu.
Das Abwassersystem im damaligen Dhaka war eine eklige Angelegenheit: Fäkalien wurden in großen Töpfen gesammelt und mussten per Hand abgeholt und am Stadtrand ausgeleert werden. Neben der Straßenreinigung war das die Hauptbeschäftigung der Telugu-Sweeper, ein Job, den die muslimische Mehrheit Ost-Bengalens aus religiösen Gründen ablehnte (direkter Kontakt mit menschlichen Fäkalien wird für Moslems generell als inakzeptabel angesehen). Weil die Telugu bereit waren einen Job zu machen, mit dem sich sonst niemand die Hände schmutzig machen wollte, wurden sie zu wertvollen Angestellten der Stadtverwaltung. Ihr Wert für die Gesellschaft wurde freilich nicht von allen so hoch eingestuft. Die Moslems und die Hindus höherer Kasten waren nicht bereit den Telugu Häuser zu vermieten, da die Sweeper ihnen, wegen ihrer Beschäftigung, als „schmutzig“ galten.
Im Verlauf des explosionsartigen Wachstums der Stadt nach der Unabhängigkeit Bangladeschs von Pakistan 1971, wurde die Telugu-Gemeinschaft immer wieder umgesiedelt, bekamen aber immer wieder Baumaterialien für eine neue Siedlung, Toiletten und Trinkwasser aus der Leitung. Lediglich der Zugang zu Bildung blieb ihnen verwehrt, da die Behörden nicht das Gefühl hatten, dass die Sweeper Lesen und Schreiben können mussten, um die Stadt sauber zu halten. Diese Lücke füllt seit Anfang der Achtziger eine amerikanische NGO.
Anfang 1996 verwüstete ein Feuer fast die Hälfte einer Telugu-Siedlung, damals noch (wie all die anderen Slums) aus Bambus und Wellblech konstruiert. Glücklicherweise wurde niemand ernsthaft verletzt, trotzdem fanden sich viele Familien jetzt obdachlos. Daraufhin wandte sich die, gutorganisierte, Gemeinschaft an ihren lokalen Bürgermeister (Ward Commissioner), der seinen Einfluss bei der Stadtverwaltung geltend machte. Die Telugu forderten den Bau einfacher, aber komfortabler Ziegelhäuser mit Betonfundamenten, um zu verhindern, dass ein erneutes Feuer nochmals solche Schäden anrichten könne. Diese Argumentation, verbunden mit einem Hinweis auf die Bedeutung ihres Jobs für die Stadt, überzeugte und führte zum Bau einer neuen Siedlung für rund 120 Familien noch Ende desselben Jahres (auf Kosten der Stadt). Einstöckige Mehrfamilienhäuser, viel Platz dazwischen, Betonwege, die verhindern, dass die Siedlung während der Regenzeit zur matschigen Pfütze wird und ein Sicherheitszaun, der das ungebetene Eindringen in die Siedlung erschwert. Verglichen mit den Lebenswirklichkeiten der meisten anderen Armen in Dhaka leben die Telugu geradezu bequem. Selbst eine neue Schule, eine Kirche und einen Tempel bauten die Behörden, gleichfalls aus Ziegeln und Beton. Einige Verbesserungen mussten die Familien selbst vornehmen, aber Häuser und Versorgung (Wasser, Strom, Gas) sind kostenlos.
Was die Gemeinschaft jedoch nie erhielt, ist ein schriftlicher Vertrag, der irgendwelche Ansprüche belegen würde, auch wenn die Versprechungen von Seiten der Behörden (unter den Briten, den Pakistanis und heute) bisher immer erfüllt wurden. Die Häuser und das Land, auf dem sie gebaut sind, gehören jedoch noch immer der Stadt, lediglich die kostenlose Nutzung ist den Telugu, eben mündlich, zugesagt. Seit Ende der Siebziger Jahre das System von Sammellatrinen zu Gunsten von Kanälen aufgegeben wurde, hat der Sweeper-Job ein wenig an Ekel verloren. Heute besteht die Aufgabe überwiegend in der Instandhaltung dieser Kanäle, was den direkten Umgang mit Fäkalien reduziert hat. Auch für arme Moslems erscheint der Job daher zunehmend attraktiv. Stadtreinigung scheint nicht länger nur ein schmutziges, sondern auch ein sicheres Geschäft zu sein. Das hat natürlich Einfluss auf die Beschäftigungssituation der Telugu-Sweeper: „Noch immer ist mindestens ein Mitglied jeder Familie Angestellter der DCC [Stadt] und wir hoffen, dass wir weiterhin für sie arbeiten können. Aber wir wissen auch um die steigende Bedeutung von Bildung für unserer Kinder Zukunft“, sagt John Sander. Wer weiß, was passiert, wenn die Behörden einmal das Gefühl bekommen, dass die Dienstleistungen der Telugu nicht länger von Nöten sind?
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Bangladesh
Dhaka
Armut
Minderheit
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Von: Savifa am 22. Mai 2009 keine Kommentare
Auf dem Dokumentenserver von Savifa werden nicht nur neue Online-Veröffentlichungen publiziert, sondern auch bereits online verfügbare Texte und Dokumente archiviert, um sie damit dauerhaft verfügbar zu machen.
In diesem Zusammenhang werden zur Zeit alle Online-Dokumente des Centre for Bhutan Studies auf SavifaDok aufgespielt und in verschiedenen Bibliothekskatalogen und Online-Suchmaschinen nachgewiesen. Der Großteil dieser Dokumente sind Vorträge, die auf verschiedenen Konferenzen des Centre for Bhutan Studies gehalten wurden und sich mit hauptsächlich mit wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen in Bhutan befassen.
Als neue Primärpublikation steht mittlerweile eine sehr umfangreiche Bibliographie zu Burma zur Verfügung, die Dr. Siegfried M. Schwertner bis 2008 zusammengetragen hat. Sie basiert auf der Burma-Sammlung des New Yorker Professors Frank N. Trager, die 1974 vom Südasien-Institut der Universität Heidelberg erworben wurde.
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Publikation
Wissenschaft
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Von: peer am 20. Mai 2009 keine Kommentare
Krishnammal Jagannathan, Trägerin des Alternativen Nobelpreises 2008 , kommt auf Einladung der Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e.V. nach Deutschland. Die Inderin wird vom 19.5. - 28.5.2009 auf acht öffentlichen Veranstaltungen über ihr lebenslanges Engagement zur Überwindung von Hunger und ländlicher Armut berichten. Parallel wird die ASW-Ausstellung "Genug für alle: Nahrung ist ein Menschenrecht!" gezeigt. Ein Schwerpunkt des Besuchs von Krishnammal Jagannathan ist der Deutsche Evangelische Kirchentag in Bremen.
Krishnammal und ihr Ehemann Sankaralingam Jagannathan setzen sich seit 1950 für Dalits ("Kastenlose") ein. 1981 gründeten sie die Nichtregierungsorganisation LAFTI , die bisher über 13.000 landlose Familien den Kauf von insgesamt 5.400 ha Land ermöglicht hat. Die Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e.V. unterstützt diese Arbeit seit 1968, aktuell mit einem Projekt gegen industrielle Shrimpsfarmen.
Terminübersicht:
19.5.09/19.30 h Dortmund: Evangelische Kirche Dortmund Brackel
Brackeler Hellweg 142, 44309 Dortmund
In Kooperation mit: Weltgruppe Brackel
20.5.09/19.30 h Hannover: Pavillon - Kultur- und Kommunikationszentrum
Lister Meile 4, 30161 Hannover
In Kooperation mit: Verband Enwicklungspolitik Niedersachsen e.V.
21.5.09/19 h Witzenhausen: Universität Kassel
Zeichensaal, FB Ökologische Agrarwissenschaften, Steinstr. 19, 37217 Witzenhausen
In Kooperation mit: Eine-Welt-Laden Witzenhausen / DITSL / FB Ökol. Agrarwiss.
23.5.09/11.00 h Bremen: Deutscher Evangelischer Kirchentag
Markt der Möglichkeiten/Marktbereich 3 "Eine Welt"
Konsul-Smidt-Straße/ Schuppen 1, 28217 Bremen
24.5.09/18.00 h Schwäbisch Hall: Hospitalkirche
Am Spitalbach, 74523 Schwäbisch Hall
In Kooperation mit: Hällisch-Fränkisches Museum/Soroptimist International Schwäbisch Hall
25.5.09/20.00 h Stuttgart: Forum 3
Gymnasiumstr. 21, 70173 Stuttgart
27.5./20.00 h Köln: Allerweltshaus
Körnerstr. 77-79, 50823 Köln
28.5.09/19.30 h Berlin: tazcafé
Rudi-Dutschke-Str. 23, 10969 Berlin
In Kooperation mit: Zukunftsstiftung Landwirtschaft
Informationen und Bildanfragen über die ASW-Pressestelle:
Claudia Fix, Vassilios Saroglou
Telefon: 030 - 25 94 08 06/ 25 94 08 01 oder 0178-70 31 511
claudia.fix@aswnet.de / http://www.aswnet.de
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Dalits
Ernährung
Entwicklung
Veranstaltung
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Von: peer am 15. Mai 2009 keine Kommentare
Kategorie: Nachrichten Archiv
Die Armee Sri Lankas belagert die letzte Enklave der tamilischen Guerilla, in der 50.000 Zivilisten eingeschlossen sind.
Eine Flucht ist unmöglich. Die Armee hat die letzten Kampfeinheiten der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) in einem gerade noch vier Quadratkilometer großen Küstenstreifen umstellt. Der Sieg ließ bislang noch auf sich warten, und rund 50.000 Zivilisten sind zusammen mit den Guerilleros eingekesselt. Sie dienen als menschliches Schutzschild, Sprengfallen der LTTE verhindern ein Entkommen. Hilfstransporte des Internationalen Roten Kreuzes mit Lebensmitteln und medizinischem Bedarf scheitern am Beschuss, Verwundete können nicht abtransportiert werden. Luftaufnahmen und die aus dem Kessel herausgefunkten Bilder verdeutlichen die katastrophale Lage der Eingeschlossenen.
Die Regierung in Colombo hat vergangene Woche das Militär nach internationalem Druck endlich angewiesen, auf den Einsatz von Artillerie und Luftbombardements zu verzichten. Doch Waffenstillstandsangebote werden abgelehnt, die halsstarrige LTTE wiederum verweigert sich einer Kapitulation. Verteidigungsstaatssekretär Gotabaya Rajapakse fordert weiterhin die "endgültige Vernichtung" der LTTE. Der offene Bürgerkrieg steht vor dem Ende, ob damit der Konflikt zwischen der singhalesischen Mehrheit und der tamilischen Minderheit gelöst ist, scheint hingegen fraglich. Denn die Regierung hat bislang nichts unternommen, um die Spaltung der Gesellschaft zu überwinden. Stattdessen hat sie die Bürgerrechte weiter beschnitten, sich ihrer Kritiker entledigt und Angst geschürt.
Die eingeschlossenen Zivilisten kümmern die Regierung anscheinend wenig, sie dienen vielmehr als Beleg für die Rücksichtslosigkeit und Grausamkeit der Tiger. Zudem hat das Militär Probleme mit der Versorgung der Zivilisten in den bereits eroberten Gebieten, die als potenzielle LTTE-Sympathisanten betrachtet werden. Dieser Logik folgend nimmt man den Tod im Kessel billigend in Kauf. Am Ende wird die Armee schon siegen.
Anders als bei der Versorgung der "Flüchtlingslager" hat die Armee bei militärischem Material keinerlei Nachschubprobleme. Eine Erstürmung der letzten LTTE-Bastion würde wohl mehr Opfer in den eigenen Reihen fordern als der derzeitige Stellungskrieg, und irgendwann dürfte den Guerilleros die Munition ausgehen. Am Wochenende starben mehr als 400 Menschen, ein Krankenhaus wurden von Granaten getroffen. Jeder weitere Kampftag verschlimmert die Lage. Doch weder Armee noch Tiger scheren sich darum.
Dieser Artikel erschien am 14. Mai in der Wochenzeitung Jungle World (Nr. 20/2009)
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Sri Lanka
Konflikte
Flüchtlinge
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Von: Toni Kaatz am 11. Mai 2009 keine Kommentare
Im Rahmen meines Studiums absolviere ich ein sechsmonatiges Praktikums mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Bangladesch . Es geht in dem Projekt, in dem ich arbeite, darum die Situation der Armen in den Städten zu verstehen und die lokalen Behörden bei der Verbesserung der Armutssituation zu unterstützen.
Obwohl das Projekt nicht in Dhaka arbeitet, sind wir auf einen interessanten Fall von low cost housing (Erschwinglicher Wohnraum) in der Hauptstadt gestoßen, den die lokalen Behörden selbst implementiert haben und von dem wir hoffen, lernen zu können. Für die Recherche zu einem Artikel darüber habe ich einen Termin mit dem Slum Development Officer (SDO) von Dhaka im Verwaltungshauptquartier der 15-Millionen-Stadt. Ein honorabler Job, denke ich mir, dieser Mann muss ein hohes Maß an Courage und Engagement mitbringen. Immerhin schätzt man die Einwohnerzahl der provisorisch aus Blechhütten zusammengebauten Viertel allein in Dhaka auf rund drei Millionen, Tendenz steigend. Einiges ist da zu tun und das nicht erst seit gestern.
Zusammen mit meiner Kollegin, die als Consultant für die GTZ arbeitet, betrete ich das riesige Gebäude, das ein wenig an kommunistische Protz-Architektur erinnert. Mit seinen massive Betonwänden und den langen dunklen Gängen suggeriert das Gebäude der Dhaka City Corporation (DCC) nach außen Macht und Autorität. Was ich jedoch im Innern des Gebäudes erlebe, ist irgendwo zwischen surreal und zum Verzweifeln, in jedem Fall weit entfernt vom Eindruck einer kompetenten Behörde, die irgendetwas anpackt.
Wir betreten das Büro des Officers. Ein etwas feister Mann Mitte Vierzig sitzt da entspannt hinter seinem Schreibtisch. Ein stilsicheres Hemd, das sicher nicht ganz billig war, hat er an, auch die Uhr an seinem Arm sieht teuer aus. Weitere vier Personen sind mit im Raum, nur einer von ihnen ist Angestellter der DCC. Als wir uns dem SDO vorstellen, nimmt er kurz Notiz von uns, wirkt aber abgelenkt. Was wir wollen, fragt er. "Wir arbeiten an einem Artikel zu low cost housing in den Slums", beginnt meine Kollegin. "Wieso kommen Sie da zu mir?", antwortet er. "Auf Ihrer Webseite steht, Sie seien zuständig", erwidert meine Kollegin, "auch am Telefon versicherte man uns das." Etwas nervös greift der SDO schnell zum Telefon, um sich Verstärkung anzurufen, die alsbald in Gestalt eines weiteren externen Mitarbeiters, der von der UN bezahlt wird, erscheint. Derweil beginnen die anderen im Raum, die eigentlich nur zufällig im Büro des Offiziellen sitzen, zu fachsimpeln. Nachdem sich alle Anwesenden nach einigem Pallaver geeinigt haben, dass alle möglichen Abteilungen der DCC für den Hausbau in den Slums zuständig sind, nur nicht das Slum Development Department, ist bereits eine halbe Stunde vergangen. Der eigentlich Zuständige hat in dieser Zeit vielleicht zwei Sätze gesagt, die keinerlei relevante Informationen enthielten. Er sei der einzige Slum Development Officer in Bangladesch, lässt er uns wissen (was Unsinn ist). Ständig unterschreibt er irgendetwas, verlässt den Raum zwischenzeitlich, scheint unsere Anwesenheit aber gar nicht weiter wahrzunehmen.
Einer der Personen im Raum, der zwischen mir und dem Schreibtisch des SDO Platz genommen hat, beantwortet die Fragen, die ich an den Offiziellen zu richten versuche. Er stellt sich mir als Mitglied einer NGO vor, die zu Kinderarbeit in den Slums arbeitet. Ich schaue in Richtung SDO und frage: "Wofür ist das Slum Development Department denn zuständig?" "Wissen Sie, wir kümmern uns vor allem um die Situation der Armen in den Slums in Dhaka", antwortet mir der ungefragte Mittelsmann. "Und was konkret tuen Sie für die Armen?" Derselbe: "Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Verbesserung der Situation der Armen." Ein bisschen wie in Kafka's Prozess komme ich mir vor.
Als ich nach dem Budget frage, die erste brauchbare Antwort: 30 Millionen Taka (3,2 Mio. €) im Jahr. "Und wofür geben Sie das aus?" "Vor allem für Straßenbeleuchtung und Fußwege", antwortet erneut der Mittelsmann. Als ich zum dritten Mal darauf bestehe, meine Frage direkt vom SDO beantwortet zu bekommen, blickt mich dieser kurz an. "Wenn Sie auf die Situation der Slums in Dhaka schauen, was hat denn Ihrer Meinung nach Priorität?", frage ich. "Das wichtigste ist, meiner Meinung nach, die Verbesserung der Wohnsituation in den Slums", spricht es vollen Ernstes von hinter dem Schreibtisch. "Gibt es denn geplante Projekte zur Verbesserung der Situation in den Slums?" Deutlicher als ich zu diesem Zeitpunkt erwartet hatte: "Nein." Es folgt ein fünfminütiger Vortrag über Bangladesch, beginnend beim 17. Jahrhundert und wir geben auf. Als wir uns verabschieden, versichert man uns, dass wir selbstverständlich jederzeit wiederkommen können, sollten wir noch Fragen haben.
Die ganze Interviewsituation war derart grotesk, dass meine Kollegin und ich schon auf dem Gang anfangen zu lachen. Auf dem Weg zurück ins Büro, Analyse: saß uns da eben ein gewiefter PR-Stratege gegenüber, der sich, warum auch immer, gekonnt um jede Antwort gedrückt hat? Oder hat dieser Bürokrat einfach nicht die leiseste Ahnung, wofür er verantwortlich ist? Wohl eine Mischung aus beidem, schließen wir. Ich, persönlich, bin enttäuscht, dass ich nicht die gewünschten Informationen bekommen habe und entsetzt, dass die Verbesserung der Straßenbleuchtung als wichtiger angesehen wird, als die Herstellung humanitärer Grundlagen. Meine Kollegin dagegen ist froh, nicht mit diesem Mann zusammenarbeiten zu müssen.
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Von: peer am 09. Mai 2009 keine Kommentare
Kategorie: Nachrichten Archiv
Nach volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten als auch dem Entwicklungsindex der Vereinten Nationen (UN-HDI) ist Bhutan eines der ärmeren Länder. Interessanterweise sind nach anderen Maßstäben die Bhutanesen eine der glücklichsten Bevölkerungen der Welt - von den vor rund 20 Jahren aus dem Land vertriebenen ethnischen Nepalesen mal abgesehen, die seitdem in Indien und Nepal in Lagern leben.
Ausgehend von der vom Vater des heutigen Königs entwickelten Doktrin des Bruttonationalglücks wurde der Gross National Happiness Index (GNH) entwickelt, der aussagekräftiger sein soll als bisher gebrauchte Indizes, wie beispielsweise das Bruttosozialprodukt.
In Zeiten der globalen Wirtschaftskrise entdecken westliche Medien zunehmend diese Idee. Ende April widmete sich das ZDF-auslandsjournal der Suche nach dem Bruttonationalglück und die New York Times veröffentlichte jüngst ebenfalls einen Artikel samt kurzer Videoreportage zu der Glückssuchethematik.
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Von: peer am 06. Mai 2009 keine Kommentare
Der in Karachi lebende Schriftsteller und Journalist Mohammed Hanif beschreibt in einem Beitrag in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ), warum Zynismus und Indifferenz in Pakistan eine schwache Wehr gegen die Machtansprüche der Taliban sind.
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