Sie sind hier: Startseite Blogs
Von: urmila am 15. April 2012 keine Kommentare
Kategorie: Rezensionen Archiv
Seit kurzem veröffentlicht tagesschau den Videoblog Dilli Dilli mit dem Ziel:
Vor allem schildern sie den Alltag der Inder, aber auch politische Ereignisse werden zum Thema.
Es ist schon interessant, welche Dinge da zum Alltäglichen erhoben werden. Vorallem werden die in Deutschland besonders beliebten Themen Dhobighat , exotische Straßenhandelnde und das Lachen mal wieder bedient. Das alles völlig ohne gesellschaftspolitischen Hintergrund. Einfach nur um das exotische Indien zu porträtieren.
Ob da auch mal eine alltägliche Geschichte kommt, die deutschen Zusehenden nicht exotisch vorkommt?
Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare.
Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
indien
medien
orientalismus
.
Von: urmila am 08. April 2012 keine Kommentare
Kategorie: Impressionen Archiv
Meine 15jährige Nichte und ihre etwas ältere Freundin, beides Töchter reicher Männer, engagieren sich in den Ferien für einen guten Zweck (sie sprechen von social work). Vor ein paar Tagen konnten wir mitgehen.
In einer Wohnung leben neun Mädchen (uns wurde gesagt Straßenkinder) von 6 bis 15 Jahren. Es gibt zwei Klassenräume. In einem haben meine Nichte und ihre Freundin indische Bundesstaaten in Englisch und Hindi an die Tafel geschrieben und die neun Mädchen von 6 bis 15 Jahren haben das abgeschrieben. Danach sind die Mädchen beim Tanzen angeleitet worden und hatten dabei offensichtlich viel Spaß.
Ich bin aus der Einrichtung nicht schlau geworden. Den Sinn in der Bundesstaatenübung habe ich nicht gesehen. Irritiert hat mich, dass alle Räume in der Wohnung in Englisch beschriftet waren. Ob dieses Engagement der reichen Jugendlichen etwas bringt, kann ich nicht einschätzen. Vielleicht bringt es etwas, dass sie merken, dass es auch (gleichaltrige) Kinder gibt, die in ganz anderen Lebensverhältnissen leben. Vielleicht auch nicht. Vielleicht stabilisiert es auch nur die Unterschiede dadurch dass die Reichen sich wohlmeinend zeigen können.
Ich habe mich auf jeden Fall seltsam gefunden, da so ganz offensichtlich überflüssig rumzusitzen und nur durch den Ausländerinnenstatus wichtig zu sein.
Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare.
Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
Indien
Soziales
Engagement
.
Von: urmila am 08. April 2012 keine Kommentare
Kategorie: Impressionen Archiv
Eine Freundin hat sich bei mir beschwert, dass immer mehr Westler_innen kommen und queere Aktivist_innen in Indien befragen wollen. Sie meinte, sie hat dafür keine Zeit. Ausserdem brauche sie deren Rat nicht. Den Down Read der Section 377 haben die Queer Natives in Indien selber geschafft, dazu brauchen sie keine Westler_innen. Und von einer 22jährigen will sie sich mit 47 Jahren auch nicht sagen lassen, wie sie richtig queer zu sein hat und wie ihr Engagement auszusehen hat.
Als ich 2004 eine Recherchereise zu lesbischen Aktivistinnen in Indien gemacht habe, habe ich schon gemerkt, dass sich die Westler_innen die Tür in die Hand geben und alle meine Interviewpartnerinnen schon mehrfach die Fragen beantwortet haben. Ich habe gemerkt, dass meine Reise viel mehr mit mir zu tun hat, als mit den Leuten hier. Ich habe davon profitiert und ganz viel dazu gelernt - und gemerkt, dass die Aktivist_innen hier mich nicht brauchen.
Seit dem Downread 2009 scheint das Interesse der Westler_innen noch mehr gestiegen zu sein. Das Interesse der queeren Aktivist_innen an den Westler_innen ist aber eher zurück gegangen.
Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare.
Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
Indien
Queer
Orienhtalismus
.
Von: urmila am 07. April 2012 keine Kommentare
Kategorie: Impressionen Archiv
Heute hatte ich die Möglichkeit, an der von Sama organisierten Konferenz "Advancing Feminist Debates on Reproductive Technologies" in Delhi teilzunehmen. Sehr spannend, vorallem weil radikal feministische und heteronormativitätskritische Perspektiven vertreten wurden.
Im Panel über reproduktive Technologien und Sexualität (mit Jaya Sharma, Chayanika Shah und Pramada Menon) wurde durchgegehend Heteronormativität, das Konzept der Ehe und biologischer Essentialismus kritisiert. Es wurde zwischen der Sinnhaftigkeit individueller Entscheidungen und den gesellschaftlichen Konsequenzen unterschieden. Eigene Privilegien wurden kritisch hinterfragt, Ambivalenzen thematisiert und intersektionale Verschränkungen, insbesondere mit Befähigung, berücksichtigt.
Im Panel über pränatale (und präzeugungs) Diagnostik (mit Mary John, Anita Ghai, Rennu Khanna und Farah Nagvi) wurde die Verquickung von Kampagnen gegen die Abtreibung weiblicher Föten zum einen mit Anti-Abtreibungs-Kampagnen sowie zum anderen mit eugenischem Aussortieren von unwertem Leben herausgearbeitet. Es wurde kritisiert, dass viele Interventionen gegen die Abtreibung weiblicher Föten letztendlich heteronormativitätsstabilisierend wirken. Für feministische Politiken wurde gefordert, dass nicht an den Syptomen (den Abtreibungen) zu arbeiten sei, sondern die grundlegende Abwertung von Frauen thematisiert und bekämpft werden müsse.
Indische Feministinnen sind immer wieder beeindruckend.
Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare.
Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
indien
gender
wissenschaft
.
Von: urmila am 06. April 2012 keine Kommentare
Kategorie: Impressionen Archiv
Die social activists, die ich hier kenne, sind höchst aktiv und international vernetzt. Eine Freundin ist zu einer Konferenz in der Türkei eingeladen und zu einer in Kanada, dazwischen hat sie Programm in Sri Lanka. Alles ist gut durchgeplant und würde auch funktionieren, wäre da nicht die Sache mit den Visas. Aber irgendwie ist eine Information zwischen den Organisator_innen der Konferenz in Istanbul und dem türkischen Konsulat in Mumbai hängen geblieben. Das Visum ist noch nicht fertig und das für Kanada muss noch beantragt werden. So hängt sie den ganzen Tag am Telefon, telefoniert immer wieder mit dem türkischen Konsulat, mit dem Reisebüro, dass das Visa besorgt, und den Organisator_innen der Konferenz. Schliesslich wird ihr Flug in die Türkei umgebucht, damit sie vorher (hoffentlich) noch ausreichend Zeit hat, um die beiden Visa erfolgreich zu beantragen.
Die Telefonate mit dem Konsulat sind ärgerlich, denn die Konsulatsmitarbeitenden nutzen ihre Macht völlig aus, lasse sie eine spüren. Auch wenn das Visa nicht verwehrt wird, sind diese Verzörgerungen sehr anstrengend und können die Pläne über den Haufen werfen.
Nachtrag: Der Nervkram war so anstrengend, dass sie den Visaantrag zurückgezogen hat und nicht zur Konferenz fährt.
Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare.
Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
indien
visa
engagement
.
Von: urmila am 06. April 2012 keine Kommentare
Kategorie: Impressionen Archiv
Von Chennai nach Delhi bin ich First AC gefahren. Zum erstenmal, da AC 2tier voll wahr und ich keine 33 Stunden mit weniger Komfort Zugfahren wollte (als reiche Europäerin kann ich mir First AC leisten). Außer mir im Abteil waren ein Mensch, der irgendwas mit transport finance macht und vielleicht kein Englisch konnte, auf jeden Fall hat er nicht mit mir geredet. Und dann war da noch ein Vater mit Tochter.
Erst haben die beiden Männer sich unterhalten und Karten ausgetauscht, dann wurde ich befragt. Ach, aus Deutschland. Mit Deutschland macht er auch Geschäfte. Er ist Unternehmer in Hair extension. Seine Tochter studiert BWL, wie das mit einem MBA in Deutschland wäre. Und Marx sei doch auch Deutscher? Engels auch? So kamen wir auf Marx und Engels und den Marxismus zu sprechen. Der sei ganz wichtig. Als ich überrascht nachgefragt habe, dass sich Marxismus doch nicht mit Unternehmertum vereinbaren liesse, da widersprach er vehement. Schliesslich wäre alles durch die Arbeitenden erarbeitet, deswegen müssten die auch gut behandelt werden und alles geteilt werden. Das hätte ihm schon sein Vater vermittelt. So ganz bin ich nicht überzeugt, über dieses Gespräch zu Marxismus in der ersten Klasse mit Macbook.
Am frühen Morgen steigen die Mitreisenden aus. Dafür bekomme ich einen neuen, der mich gegen 12 Uhr fragt, ob ich was dagegen hätte, dass er mit seinem Freun anfängt zu trinken. Ich sage, dass ich das nicht gut finde, und er verspricht mir nüchtern dabei zu bleiben und für seinen jungen Freund zu bürgen. Später wird er sehr redsam, da steigt glücklicherweise ein Hetero-Paar ein, so dass ich nicht allein mit den Trinkenden bin. Ich verziehe mich auf meine obere Liege und lese.
Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare.
Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
Indien
Verkehr
Reisebericht
Marxismus
Wirtschaft
.
Von: urmila am 04. April 2012 keine Kommentare
Kategorie: Impressionen Archiv
Indien-Reiseführer erklären Zugfahren zu einem der Dinge, die die Indien-Reisende gemacht haben muss. Verschiedene Reiseberichte schwelgen in nostalgischen Erinnerungen darüber, wie toll es ist in der billigsten Klasse mit allen anderen zusammen zu reisen.
Ich fahre gerne Zug. Nicht nur in Indien. Und das indische System ist auf jeden Fall gut ausgebaut und in der billigsten Klasse sehr erschwinglich. Für mich als westliche Touristin sind allerdings auch die teureren Klassen noch recht billig. Und die leiste ich mir dann auch für die Übernachtfahrten.
Vor zwei Tagen sind wir in einer größeren Gruppe tagsüber von Bangalore nach Chennai gefahren. Sechs Stunden Fahrt. Fünf Personen auf drei reservierten Sitzen. Grundsätzlich gut. Aber sicher nicht romantisch. Eher unbequem und heiss. Als wir angekommen sind, war Duschen unser erster Wunsch.
Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare.
Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
indien
verkehr
.
Von: urmila am 03. April 2012 keine Kommentare
Kategorie: Impressionen Archiv
Als ich mit 14 Jahren in Indien war, war ich (gefühlt) vom ersten bis zum letzten Tag krank, habe meine Zeit im wesentlichen auf Toiletten verbracht und fühlte mich elend. Als ich viele Jahre später wieder nach Indien reiste, stand für mich fest, das soll mir nicht wieder passieren. Ich gab mir strenge Regeln für Wasser und Essen und der Delhi Belly bliebt tatsächlich aus. Allerdings nur solange ich mich an meine Regeln hielt, als ich doch mal das gefilterte Wasser trank, dass meine Cousine für völlig unbedenklich hielt, verbrachte ich wieder einige Zeit auf der Toilette. Und so bleibe ich bis heute bei meinen strengen Regeln. Und bin mir sicher, dass sie sicher zu streng sind und ich bestimmt einiges mehr vertragen könnte (aber ich will es nicht riskieren). Und ich weiss, dass ich ganz viele leckere Sachen nicht esse und diese auch nur in Indien essen könnte. Aber die Erinnerungen an den Indienaufenthalt auf der Toilette sind mir noch zu gut in Erinnerung.
Für alle, die mich beobachten, muss ich übervorsichtig und vielleicht auch etwas lächerlich wirken. Aber wat mut dat mut.
Zu diesem Artikel gibt es keine Kommentare.
Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
indien
reisebericht
nahrung
gesundheit
.
Dies ist der Blog von suedasien.info, dem Informationsportal zu Südasien. In Ergänzung zu den ausführlichen und redaktionell bearbeiteten Analysen auf suedasien.info gibt dieser Blog den Raum für kurze subjektive Eindrücke aus und zu Südasien. Die einzelnen (namentlich gekennzeichneten) Beiträge entsprechen nicht unbedingt der Meinung der Redaktion und des Herausgebers.
Wir freuen uns über neue Autorinnen und Autoren. Beschäftigen Sie sich mit Südasien oder sind Sie vielleicht gerade vor Ort und möchten von Ihren Eindrücken berichten? Schreiben Sie uns einfach eine kurze E-Mail und erzählen Sie ein wenig von sich und den Themen, über die Sie schreiben wollen.
© 2005-2011 suedasien.info
Konzeption und Design:
Scharfschwerdtstrasse 43 - Webentwicklung, Beratung, Schulung