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Sprachunterricht unter der BJP

Von: urmila am 11. November 2014 keine Kommentare

Kategorie: Meinung Archiv

Seit ein paar Wochen schon geistert die Meldung, dass ein Projekt mit Deutschunterricht an indischen Schulen gestoppt wurde, durch diverse Medien. Ich wollte immer mal dazu schreiben und bin nicht dazu gekommen. Jetzt berichtet die Tagesschau davon, dass es einen Beschluss gibt, Deutsch (und andere Fremdsprachen?) nicht mehr an staatlichen Schulen zu unterrichten - und ich nehme das als Anlass endlich zu bloggen.

Verfechter_innen des Abbruchs dieses Projekts (z.B. unter meinen FB-Freunden) argumentieren unter anderem damit, dass es wichtiger sei, eine indische Sprache zu lernen als Deutsch. Die Tagesschau berichtet, dass die Initiative von Sanskrit-Lehrer_innen ausgegangen war.

Mir scheint es hier, um den Kampf um ein Symbol zu gehen. Ich weiss zwar nicht, wieviele Schulen es in Indien gibt, vermute aber mal stark, dass die 1000 Schulen, die am Deutsch-Projekt teilgenommen haben, nur einen kleinen Teil dargestellt haben. Deutsch (oder andere Fremdsprachen) haben sicher nicht indische Sprachen aus den Schulen verdrängt. Es scheint mir eher so, als ob sie zusätzliche Angebote gemacht haben. So wie es auch in Deutschland Schulen gibt, die besondere Sprachen anbieten. Ein Angebot an Schüler_innen ihren Horizont zu erweitern, spezifische Kenntnisse zu erwerben und die Welt anders kennenzulernen.

Der Aufschrei dagegen passt hervorragend zu einer hindu-nationalistischen Regierung, der viel daran gelegen sein muss, eine einheitliche indische Kultur zu konstruieren und alle auf diese festzulegen. Dabei ist sicher auch Sanskrit als 'hinduistische' Sprache wichtig. 

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Die Modi-Regierung

Von: urmila am 18. August 2014 keine Kommentare

Kategorie: Meinung Archiv

Seine Anhänger_innen hatten sich von Modi und der BJP viel versprochen. Bisher scheint er davon noch nicht viel geliefert zu haben, wenn die Berichte von taz und Berliner Zeitung so stimmen. (Wobei die Regierungszeit ja noch kurz ist und die Frage ist, ob neue Regierungen so schnell positive Veränderungen bewirken.)

Seine Gegner_innen hatten derweil befürchtet, dass die kommunalistische Spaltung Indiens und kommunalistische Gewalt zu nehmen würde. Diese Befürchtung scheint schon erfüllt worden zu sein, wie die die Berichte von taz und Berliner Zeitung zeigen. So schreibt, zum Beispiel, die taz :

Über 600 Zwischenfälle zählte die Tageszeitung Indian Express allein im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Uttar Pradesh.

Auch Outlook berichtet ausführlich über die Verbindungen der Modi-Regierung zu RSS und VHP, über den zunehmenden Communalism bzw. Majoritarianism und seine Konsequenzen. (Majoritarianism bedeutet dabei, die Verweigerung von Minderheitenrechten - siehe auch das Interview mit Ponni Arasu .) Outlook schreibt unter anderem:

The majoritarian project is most easy to detect when applied to minorities but, crucially, also nvolves subsuming Dalits and tribals into the imagined Hindu monolith. Writer Arundhati Roy says that “in a society as diverse as India, even the idea of a majority community has to be constructed and the process of that construction entails an immense amount of violence”. The violence need not always imply direct bloodshed although there is some of that spatter still around, particularly in UP. The process involves creating and sustaining an entire basis for mobilising against non-Hindus, and ensuring that they know their place in the scheme of things. It also involves a slow but sure push towards exclusion, as can be spotted in some recent incidents—the banishment of Christians from parts of Bastar in Chhattisgarh at the behest of the Vishwa Hindu Parishad, and a story carried in a national daily last week about two dozen Muslim families being thrashed and forced to leave a village in Haryana’s Gurgaon district.

 

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BJP an der Regierung

Von: urmila am 18. Mai 2014 keine Kommentare

Kategorie: Meinung Archiv

Die Reaktionen auf den überwältigenden Sieg der BJP bei den indischen Wahlen sind zutiefst gespalten. Auf der einen Seite wird gejubelt und gefeiert. Auf der anderen Seite sind die Menschen zu tiefst schockiert und befürchten das Schlimmste.

Ich gehöre zu den Schockierten. Die politische Agenda der BJP ist zutiefst menschenrechtswidrig (vergleiche Artikel von Christophe Jaffrelot in Le Monde diplomatique). Für marginalisierte Minderheiten (egal ob queere Menschen, Muslim_innen oder andere) wird das Leben noch gefährlicher. Die Wirtschaftspolitik der BJP wird nicht die Armen und Marginalisierten fördern sondern Wirtschaftsführende (siehe Lalon Sander in der taz). Die Meinungsfreiheit wird eingeschränkt und oppositionelle Stimmen unterdrückt werden (siehe Nandita Das in Outlook India). 

Schockiert bin ich auch davon, dass so viele jubeln. Dass ihnen die menschenrechtswidrige gewalttätige Politik der BJP so egal ist. Dass sie gut damit leben können, wenn andere diskriminiert, ausgegrenzt und möglicherweise getötet werden. 

Schockiert bin ich davon, dass abweichende Meinung nicht geduldet werden. (So wurden meine kritischen Nachfragen in einer Facebook-Gruppe  von Indern in Deutschland wurden gelöscht, weil sie politisch waren.Der Jubel-Post hingegen wurde nicht als politisch angesehen.)

Der Wahlerfolg der BJP und die allgemeine Zustimmung auch unter Migrant_innen in Deutschland macht mir Angst.

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Dokumentarischer Kurzfilm mit Stimmen zur Parlamentswahl in Indien

Von: peer am 13. Mai 2014 keine Kommentare

Kategorie: Impressionen Archiv

Der Dokumentarfilmer Ethan Reitz war im Vorfeld der Parlamentswahl in Indien unterwegs und hat in Delhi und Varanasi kurze Statements zu den Wahlen und der möglichen Parteipräferenz seiner Gesprächspartner_innen eingefangen. Herausgekommen ist dabei der viereinhalbminütige Kurzfilm "India Elections 2014 - A democratic exercise in the superlative".

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Artikel über Narendra Modi

Von: urmila am 21. April 2014 keine Kommentare

Archiv

Le Monde diplomatique hat einen Artikel von Christophe Jaffrelot veröffentlicht: Herr Modi aus Gujarat

 

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Transgender als Drittes Geschlecht anerkannt

Von: urmila am 15. April 2014 keine Kommentare

Kategorie: Nachrichten Archiv

Update 16.04.14: Auf dem Blog kafila gibt es jetzt eine ausführliche Bewertung des Urteils von Siddharth Narrain. Lesenswert!

There are two central questions that the court addresses. The first is the recognition of a third gender category for hijras or equivalent cultural identities in order to facilitate legal rights. The second is that transgender persons, for the purposes of the law, should be able to identify in the gender of their choice, which could be male, female or a third gender category. In the operative part of the judgment, the court the Court held that hijras and eunuchs be treated as a “third gender” to safeguard their fundamental rights. The Court also held that and transgender persons have the right to decide their self identified gender.

Ende Update

Nachdem im Dezember der indische Supreme Court Homosexualität rekriminalisiert hat , hat das gleiche Gericht jetzt Transgender als Drittes Geschlecht anerkannt . Meine Facebook-Nachrichtenseite quoll heute von Freudenausdrücken queer aktivistischer Freund_innen über und so gehe ich davon aus, dass dies ein Meilenstein für die Anerkennung von nicht-heteronormativer Lebensweisen ist.

In einer Email, die ich bekam, wurden die wesentlichen Punkte des Urteils wie folgt zusammengefasst:

1. Recognition of third gender.
2. Recognition of people who identify in the opposite sex based on self-identification. Includes female identifying as male and male identifying as female.
3. Non-recognition of gender identity amounts to discrimination under Arts  14, 15 and 16.
4. Discrimination on the ground of sexual orientation and gender identity amounts to discrimination on the ground of sex under Art  15.
5. No SRS required for recogntition of gender identity.
6. Persons gender identity based on their choice is protected under the constitution.
7. A series of directions have been given to the Centre and States based on the above.

 Das gesamt Urteil habe ich leider nicht freizugänglich im Internet gefunden, sondern nur auf einer Facebook-Seite und kann es so nicht verlinken. Der Blog kafila zitiert aber zumindest das Urteil. Transgender müssen als drittes Geschlecht anerkannt werden (wenn sie dies wünschen, soweit ich es verstanden habe), zudem muss gegen die Diskriminierung von Transgender vorgegangen werden.

In Absatz 55 des Urteils heißt es

Discrimination on the ground of sexual orientation or gender identity, therefore, impairs equality before law and equal protection of law and violates Article 14 of the Constitution of India.

Einen solchen Schutz der Rechte jeder einzelnen Person hat Ponni Arasu beim Urteil zu Section 377 vermisst. Es hängt wohl sehr von den jeweiligen Richter_innen ab, wie sie das Recht auslegen. Mit der Argumentation dürfteauch die Section 377 nicht haltbar sein. Soviel ich weiss, gibt es aber keine Möglichkeit mehr, sie vor Gericht zu verhandeln. 

Initiiert wurde der Rechtsstreit, wenn ich das richtig verstanden habe, insbesondere von Hijras . Diese werden im Urteil auch immer wieder explizit benannt (und in den internationalen Medien vorallem beachtet). Es geht aber auch um Transgender allgemein und auch explizit um Female-to-Male:

46. Social exclusion and discrimination on the ground of gender stating that one does not conform to the binary gender (male/female) does prevail in India. Discussion on gender identity
including self-identification of gender of male/female or as transgender mostly focuses on those persons who are assigned male sex at birth, whether one talks of Hijra  transgender, woman or male or male to female transgender persons, while concern voiced by those who are identified as female to male trans-sexual persons often not properly addressed. Female to male unlike Hijra/transgender persons are not quite visible in public unlike Hijra/transgender persons. Many of them, however, do experience
violence and discrimination because of their sexual orientation or gender identity.

Das ist ein wichtiger Aspekt, weil er die Vielfalt von trans*-Identitäten anerkennt und auch auf Ausblendungen in der Diskussion verweist. 

Die Richter_innen begründen ihr Urteil auch damit, dass dies in einer Demokratie notwendig sei:

If democracy is based on the recognition of the individuality and
dignity of man, as a fortiori we have to recognize the right of a human being to choose his sex/gender identity which is integral his/her personality and is one of the most basic aspect of selfdetermination dignity and freedom. In fact, there is a growing recognition that the true measure of development of a nation is not economic growth; it is human dignity.

Soweit eine Collage von Aspekten aus dem Urteil, die mir heute an verschiedenen virtuellen Orten begegnet sind. Ich gehe davon aus, dass es in der nächsten Zeit auch systematischere und kenntnisreichere Berichte geben wird, zum Beispiel auf dem Blog kafila .

 

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Berlinale: Filme aus Indien

Von: urmila am 19. Februar 2014 keine Kommentare

Kategorie: Rezensionen Archiv

Bei der diesjährigen Berlinale habe ich drei Filme aus Indien gesehen.

Papilio Buddha ist ein durch und durch politischer Film, der die Diskriminierung von Dalits (in Kerala) kritisiert. Gemacht wurde er von Dalit- und LGBT-Aktivist_innen, die auch als Schauspieler auftreten. Nach dem Film hat der Regisseur Jayan Cherian  erklärt, dass der Film aus verschiedenen realen Ereignissen zusammengestellt wurde. Filmisch hat das für mich überhaupt nicht funktioniert. Während des Filmes bin ich nicht wirklich in die Geschichte reingekommen, habe ich mich über esoterische Bilder geärgert, habe Homophobie gesehen, fand Gewaltdarstellungen zu drastisch - kurz: mochte den Film überhaupt nicht. Das Gespräch mit dem Regisseur hat mich dann überzeugt, dass viel guter Wille im Film steckt und er das Gegenteil von homophob sein soll. Vielleicht hätte das Filmteam besser einen Dokumentarfilm machen sollen - oder mehr von den realen Ereignissen abstrahieren, um einen guten Spielfilm zu machen.

Im Gegesatz zu Papilio Buddha war Praphat pheri ein sehr filmischer Film. Viele ästhetische Bilder. Ein Dokumentarfilm über die Prabhat Film Company und die später auf dem Gelände angesiedelte Filmhochschule. Schön gemacht, etwas vorraussetzungsvoll, etwas lang (das Material hätte sicher noch weiter gekürzt werden können) und fast ausschliesslich männlich.

Und dann war ich noch in einem echten Bollywood-Film: Highway. Love and Crime. Reiche Tochter wird entführt, findet in der Entführung endlich Freiheit, verliebt sich in ihren Entführer, der aber am Ende als guter Böser doch sterben muss, und lebt am Ende glücklich in den Bergen weit weg von der Stadt und ihrer reichen Familie (aber wohl unterstützt von ihr). Kann mensch sich ansehen. 

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Beschwerde abgewiesen

Von: urmila am 30. Januar 2014 keine Kommentare

Kategorie: Nachrichten Archiv

Am 28. Januar 2014 hat der indische Supreme Court Beschwerden gegen die Re-Kriminalisierung von Homosexualität in Indien durch ein Urteil des gleichen Gerichts am 11. Dezember 2013 abgewiesen. NDTV berichtete von den Protesten am gleichen Abend in Delhi.

Zum Hintergrund des juristischen Verfahrens und des Engagements gegen die Kriminalisierung von Homosexualität siehe ein Interview mit der indischen queeren feministischen Aktivistin Ponni Arasu auf suedasien.info.

 

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