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Transgender als Drittes Geschlecht anerkannt

Von: urmila am 15. April 2014 keine Kommentare

Kategorie: Nachrichten Archiv

Update 16.04.14: Auf dem Blog kafila gibt es jetzt eine ausführliche Bewertung des Urteils von Siddharth Narrain. Lesenswert!

There are two central questions that the court addresses. The first is the recognition of a third gender category for hijras or equivalent cultural identities in order to facilitate legal rights. The second is that transgender persons, for the purposes of the law, should be able to identify in the gender of their choice, which could be male, female or a third gender category. In the operative part of the judgment, the court the Court held that hijras and eunuchs be treated as a “third gender” to safeguard their fundamental rights. The Court also held that and transgender persons have the right to decide their self identified gender.

Ende Update

Nachdem im Dezember der indische Supreme Court Homosexualität rekriminalisiert hat , hat das gleiche Gericht jetzt Transgender als Drittes Geschlecht anerkannt . Meine Facebook-Nachrichtenseite quoll heute von Freudenausdrücken queer aktivistischer Freund_innen über und so gehe ich davon aus, dass dies ein Meilenstein für die Anerkennung von nicht-heteronormativer Lebensweisen ist.

In einer Email, die ich bekam, wurden die wesentlichen Punkte des Urteils wie folgt zusammengefasst:

1. Recognition of third gender.
2. Recognition of people who identify in the opposite sex based on self-identification. Includes female identifying as male and male identifying as female.
3. Non-recognition of gender identity amounts to discrimination under Arts  14, 15 and 16.
4. Discrimination on the ground of sexual orientation and gender identity amounts to discrimination on the ground of sex under Art  15.
5. No SRS required for recogntition of gender identity.
6. Persons gender identity based on their choice is protected under the constitution.
7. A series of directions have been given to the Centre and States based on the above.

 Das gesamt Urteil habe ich leider nicht freizugänglich im Internet gefunden, sondern nur auf einer Facebook-Seite und kann es so nicht verlinken. Der Blog kafila zitiert aber zumindest das Urteil. Transgender müssen als drittes Geschlecht anerkannt werden (wenn sie dies wünschen, soweit ich es verstanden habe), zudem muss gegen die Diskriminierung von Transgender vorgegangen werden.

In Absatz 55 des Urteils heißt es

Discrimination on the ground of sexual orientation or gender identity, therefore, impairs equality before law and equal protection of law and violates Article 14 of the Constitution of India.

Einen solchen Schutz der Rechte jeder einzelnen Person hat Ponni Arasu beim Urteil zu Section 377 vermisst. Es hängt wohl sehr von den jeweiligen Richter_innen ab, wie sie das Recht auslegen. Mit der Argumentation dürfteauch die Section 377 nicht haltbar sein. Soviel ich weiss, gibt es aber keine Möglichkeit mehr, sie vor Gericht zu verhandeln. 

Initiiert wurde der Rechtsstreit, wenn ich das richtig verstanden habe, insbesondere von Hijras . Diese werden im Urteil auch immer wieder explizit benannt (und in den internationalen Medien vorallem beachtet). Es geht aber auch um Transgender allgemein und auch explizit um Female-to-Male:

46. Social exclusion and discrimination on the ground of gender stating that one does not conform to the binary gender (male/female) does prevail in India. Discussion on gender identity
including self-identification of gender of male/female or as transgender mostly focuses on those persons who are assigned male sex at birth, whether one talks of Hijra  transgender, woman or male or male to female transgender persons, while concern voiced by those who are identified as female to male trans-sexual persons often not properly addressed. Female to male unlike Hijra/transgender persons are not quite visible in public unlike Hijra/transgender persons. Many of them, however, do experience
violence and discrimination because of their sexual orientation or gender identity.

Das ist ein wichtiger Aspekt, weil er die Vielfalt von trans*-Identitäten anerkennt und auch auf Ausblendungen in der Diskussion verweist. 

Die Richter_innen begründen ihr Urteil auch damit, dass dies in einer Demokratie notwendig sei:

If democracy is based on the recognition of the individuality and
dignity of man, as a fortiori we have to recognize the right of a human being to choose his sex/gender identity which is integral his/her personality and is one of the most basic aspect of selfdetermination dignity and freedom. In fact, there is a growing recognition that the true measure of development of a nation is not economic growth; it is human dignity.

Soweit eine Collage von Aspekten aus dem Urteil, die mir heute an verschiedenen virtuellen Orten begegnet sind. Ich gehe davon aus, dass es in der nächsten Zeit auch systematischere und kenntnisreichere Berichte geben wird, zum Beispiel auf dem Blog kafila .

 

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indien queer urteil hijras .

Berlinale: Filme aus Indien

Von: urmila am 19. Februar 2014 keine Kommentare

Kategorie: Rezensionen Archiv

Bei der diesjährigen Berlinale habe ich drei Filme aus Indien gesehen.

Papilio Buddha ist ein durch und durch politischer Film, der die Diskriminierung von Dalits (in Kerala) kritisiert. Gemacht wurde er von Dalit- und LGBT-Aktivist_innen, die auch als Schauspieler auftreten. Nach dem Film hat der Regisseur Jayan Cherian  erklärt, dass der Film aus verschiedenen realen Ereignissen zusammengestellt wurde. Filmisch hat das für mich überhaupt nicht funktioniert. Während des Filmes bin ich nicht wirklich in die Geschichte reingekommen, habe ich mich über esoterische Bilder geärgert, habe Homophobie gesehen, fand Gewaltdarstellungen zu drastisch - kurz: mochte den Film überhaupt nicht. Das Gespräch mit dem Regisseur hat mich dann überzeugt, dass viel guter Wille im Film steckt und er das Gegenteil von homophob sein soll. Vielleicht hätte das Filmteam besser einen Dokumentarfilm machen sollen - oder mehr von den realen Ereignissen abstrahieren, um einen guten Spielfilm zu machen.

Im Gegesatz zu Papilio Buddha war Praphat pheri ein sehr filmischer Film. Viele ästhetische Bilder. Ein Dokumentarfilm über die Prabhat Film Company und die später auf dem Gelände angesiedelte Filmhochschule. Schön gemacht, etwas vorraussetzungsvoll, etwas lang (das Material hätte sicher noch weiter gekürzt werden können) und fast ausschliesslich männlich.

Und dann war ich noch in einem echten Bollywood-Film: Highway. Love and Crime. Reiche Tochter wird entführt, findet in der Entführung endlich Freiheit, verliebt sich in ihren Entführer, der aber am Ende als guter Böser doch sterben muss, und lebt am Ende glücklich in den Bergen weit weg von der Stadt und ihrer reichen Familie (aber wohl unterstützt von ihr). Kann mensch sich ansehen. 

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indien film dalit .

Beschwerde abgewiesen

Von: urmila am 30. Januar 2014 keine Kommentare

Kategorie: Nachrichten Archiv

Am 28. Januar 2014 hat der indische Supreme Court Beschwerden gegen die Re-Kriminalisierung von Homosexualität in Indien durch ein Urteil des gleichen Gerichts am 11. Dezember 2013 abgewiesen. NDTV berichtete von den Protesten am gleichen Abend in Delhi.

Zum Hintergrund des juristischen Verfahrens und des Engagements gegen die Kriminalisierung von Homosexualität siehe ein Interview mit der indischen queeren feministischen Aktivistin Ponni Arasu auf suedasien.info.

 

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Rassismus in Delhi

Von: urmila am 19. Januar 2014 2 Kommentare

Kategorie: Nachrichten Archiv

Rassisistische Äußerungen und Handlungen von Delhis AAP Justizminister Somnath Bharti (siehe dazu eine Analyse von Adity Nigam auf kafila.org) scheinen gerade zu einer öffentlichen Diskussion über rassistische Ausgrenzungen gegen Menschen, die als Afrikaner_innen betrachtet werden, in Indien zu führen. Die Hindustan Times hat verschiedene Artikel dazu veröffenlicht: einmal zum Vorfall mit dem Minister in Khirki Village, über Beschwerden die von Ugander_innen eingereicht wurden und über alttägliche rassistische Ausgrenzung auf Delhis Strassen.

Aktivist_innen haben für heute zu einem Sit-in against racial violence am Jantar Mantar eingeladen. 

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Indien Rassismus AAM .

Kleine Demonstration in Berlin

Von: urmila am 15. Dezember 2013 keine Kommentare

Kategorie: Nachrichten Archiv

im Rahmen des  Global Day of Rage gegen die Re-Kriminalisierung von Nicht-Heterosexualität in Indien.

  nogoingback

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Widerstand gegen Section 377

Von: urmila am 14. Dezember 2013 keine Kommentare

Kategorie: Nachrichten Archiv

2009 hatte der Delhi High Court geurteilt, dass die Section 377 des Indian Penal Code nicht mehr auf konsensualen Sex zwischen Erwachsenen angewendet werden darf. Die Kriminalisierung und Einschüchterung von Nicht-Heterosexuellen nahm spürbar ab und ein neues Selbstverständnis entwickelte sich. Letzten Mittwoch hat nun der Supreme Court dieses Urteil zurück genommen, die Section 377 gilt wieder voll.

Das hat die queere Community zuerst in Schock versetzt. Aber schon schnell kamen widerständige Reaktionen. So zum Beispiel vom Aktivisten und Rechtsanwalt Gautam Bhan:

Auf dem Blog kafila sind eine Reihe von Analysen des Gerichtsurteils sowie politische Positionierungen erschienen. Für Sonntag wird weltweit zum Global Day of Rage mobilisiert (auch in Berlin). 

Aber nicht nur die queere Community und Aktivist_innen empören und engagieren sich.  Mein Vater ist gerade aus Indien wieder gekommen und meinte, dass ausser religiösen Fundamentalist_innen alle empört seien. Auch ein Beitrag von NDTV zeigt die allgemeine Empörung. Ausserdem diskutieren in dem Beitrag mehrere queere Aktivist_innen das Urteil, die Konsequenzen und den Widerstand. Jaya Sharma betont, dass das Urteil eine Folge des patriarchalen Systems ist. 

 

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Section 377 - Global Day of Rage Berlin

Von: urmila am 14. Dezember 2013 keine Kommentare

Kategorie: Hinweise Archiv

GlobalDayofRage

Am Sonntag ist internationaler Tag des Protests gegen die Re-Kriminalisierung von Nicht-Heterosexualität in Indien (siehe auch Berichterstattung des Blogs kafila). Auch in Berlin wird es eine Veranstaltung geben:

"Kommt alle am Sonnatg den 15. Dezember 2013 um 1 Uhr nachmittags! Wir treffen uns voraussichtlich am Homosexuellenmahnmal im Tiergarten (ggü. vom Holocaust Mahnmal).

Bitte die Angaben nochmal bei Veranstaltung überprüfen.

Gegen heteronormative Ausgrenzung in Indien, Deutschland und weltweit!

 

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People of West Bengal

Von: mario am 16. Juli 2013 keine Kommentare

Kategorie: Rezensionen Archiv

People of West Bengal



10 Zeilen / 6 Sätze zur Einleitung – zack! : Man weiß bescheid, alles ist gesagt, den Rest der Aussagen erledigen die Bilder. Darum sei auch an dieser Stelle nicht unnötig viel geschwafelt über diesen feinen, dünnen Band von Lukas Palik.

Unaufgeregt
ruhig
still
persönlich
minimalistisch

Keine Bildunterschriften – wozu auch? Hier sind Menschen zu sehen. Natürlich wäre es an manchen Stellen schön zu wissen, wo in West-Bengalen die Aufnahme stattfand (beispielsweise auf den Seiten 25, 32, 59 ).

Es gibt keine Effekthascherei und kein zweifelhaftes Photoshopping wie in anderen Publikationen.

Wer in Indien war und über Land gereist ist, per Linienbus und im Zug, mag beschlichen werden: Den kenne ich, dieses Gesicht habe ich schon einmal gesehen, so eins oder dessen tausendsten Zwilling. –

So alltäglich unprätentiös, schön und menschlich. Dass das ganze in Schwarz-Weiß passieren musste, kann man anfechten, denn oft vermittelt der starke Kontrast eine Art Schäbigkeit, die real so gar nicht vorhanden sein mag.

Alles in allem ein äußerst schönes Buch mit Motiven, und Gesichtern, bei denen man verweilen kann.


Lukas Palik: People Of West Bengal. Kettler Verlag 2012
80 Seiten, 72 S/W-Abbildungen 30 x 24 cm
ISBN 978-3-86206197-6

 

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