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Kabul im Blick

Von: eric am 20. Februar 2008

Kategorie: Nachrichten Archiv

Nicht nur hierzulande wird die Videoüberwachung als Wunderwaffe im Kampf gegen so unterschiedliche Phänomene wie Terrorismus und Straßenkriminalität propagiert und verkauft. Wie die Nachrichtenagentur Government Security News kürzlich meldete, plant das US-Militär den Aufbau eines umfassenden Überwachungssystems in der afghanischen Hauptstadt Kabul: Vermutlich hunderte von Kameras sollen im ganzen Stadtgebiet an wichtigen Kreuzungen, im Umfeld von militärischen Einrichtungen der multinationalen Truppen und der afghanischen Regierung installiert und in ein Command-and-Control-Zentrum aufgeschaltet werden. Bildverarbeitungssoftware soll die kameragestützte Verfolgung von Fahrzeugen und Personen durch die Stadt ermöglichen. Umgesetzt werden soll das Projekt binnen sechs Monaten im Rahmen von Militärhilfe für die afghanische Regierung. Mittelfristig ist die Ausweitung des Systems auf Wohngebiete geplant. Langfristig wird der Aufbau eines Glasfasernetzes avisiert, damit weitere Städte des Landes in die Überwachungsinfrastruktur eingebunden werden können.

Die Pläne erinnern deutlich an ein Projekt des US-Militärs, das vor etwa fünf Jahren aus der Taufe gehoben wurde: Combat Zones That See. Mit einem Budget von 12 Millionen US-Dollar hatte damals die DARPA , eine Forschungsagentur des Pentagon, die Entwicklung eines Systems ausgeschrieben, dass auf den "Bau des weltweit ersten Multi-Kamera-Systems mit automatischer Auswertung von Echtzeitbildern zur Analyse von Fahrzeugbewegungen und signifikanten Ereignissen in einem extrem großen Gebiet zielt". Das Drei-Jahres-Projekt diente ausdrücklich der Unterstützung von MOUT-Einsätzen, also "military operations in urban terrain". Die damals geäußerte Bedenken von US-amerikanischen Bürgerrechtlern dürften bei der nun geplanten Realisierung in Afghanistan sicherlich keine Rolle spielen. Oberstes Ziel der MOUT-Strategen bleibt es, die als "verwilderte Städte" beschriebenen Megacities des Südens unter Kontrolle zu halten.

Kein Zufall scheint es in diesem Zusammenhang, dass eine der ältesten Überwachungstechniken, die biometrische Identifikation durch Fingerabdrücke , erstmals im 19. Jahrhundert in Kalkutta eingesetzt wurde. William James Herschel, Angestellter der britischen Kolonialverwaltung, machte sich damals die Einmaligkeit des körperlichen Merkmals dienstbar, um Zahlungsempfänger zu registrieren und Identitätsschwindel zu verhindern und so die imperialen Interessen gegenüber den als anonym gefürchteten Menschenmassen der Metropole durchzusetzen.

Zuletzt geändert am 20.02.2008 15:17:26 von eric

Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
Afghanistan Überwachung Kabul .

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