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Von: Savifa am 28. Oktober 2008
Kategorie: Rezensionen Archiv
Kein ganz gewöhnliches Leben / Baby Halder. Heidelberg: Draupadi-Verlag, 2008.
Es ist selten, dass Autobiographien als literarische Sensation gefeiert werden. Noch ungewöhnlicher ist dies sicher, wenn die Autorin erst mit der Schilderung der eigenen Lebensgeschichte richtig zu schreiben gelernt hat. Bei Baby Halder und dem vorliegenden Buch ist dies der Fall. Dabei verläuft ihr Leben zunächst gar nicht so ungewöhnlich, wie dies der Titel des Buches zu suggerieren scheint. Als Tochter eines Armeeangehörigen verbringt sie eine recht glückliche Kindheit in Bengalen, geht zur Schule und lernt eifrig. Bis ihr Vater seine Stellung bei der Armee aufgibt und zu seiner Familie zurückkehrt. Die Ehe ihrer Eltern scheitert und Baby Halders Mutter verlässt die Familie mit ihrem jüngsten Sohn. Sie selbst wird ihrem Vater und seiner neuen Frau zur Last, und so verheiratet er sie mit dreizehn an den erstbesten Mann, der doppelt so alt ist wie sie. Ein Jahr später wird Baby Halder zum ersten Mal Mutter und stirbt beinahe an den Folgen der Geburt, ohne dass sich ihr Mann im Krankenhaus sehen lässt. Nach Jahren häuslicher Gewalt entschließt sie sich schließich dazu, mit ihren drei Kindern nach Delhi zu gehen. Dort arbeitet sie als Hausangestellte und hält sich mit Arbeiten als Dienstmädchen über Wasser. Doch auch hier wird sie missbraucht, eingesperrt und darf zeitweise ihre Kinder nicht sehen.
Bis zu diesem Punkt ähnelt Baby Halders Lebensgeschichte der unzähliger indischer Frauen. Eines Tages jedoch findet sie Anstellung im Hause Prabodh Kumar Srivastavas, eines emeritierten Anthropologie-Professors und Enkel des Hindi-Autoren Premchand. Dieser erkennt Baby Halders Interesse für Bücher und ermutigt sie, Literatur zu lesen und schießlich auch zum Schreiben. Als eines Tages ihr Slum von der Stadtverwaltung Delhis niedergewalzt wird, bietet Prabodh Kumar Baby Halder und ihren Kindern in seinem Haus Unterschlupf. Durch seine Unterstützung erscheint ihre Lebensgeschichte unter dem Titel Alo Andhari (Vom Dunkel ins Licht) zunächstin einer bengalischen Literaturzeitschrift und kurze Zeit darauf, übertragen von Prabodh Kumar, auch auf Hindi. Die 2006 erschienene englische Ausgabe machte Baby Halder schließlich in ganz Indien und darüber hinaus bekannt. Übersetzt von Annemarie Hafner liegt sie nun auch auf Deutsch vor.
Doch was macht dieses Buch so ungewöhnlich? Sicherlich ist es nicht allein ihre Lebensgeschichte und der bloße Umstand, dass eine marginalisierte Frau einmal selbst über ihr Leben schreibt. Baby Halders Leistung allein darauf zu reduzieren, wäre ungerecht. Erstaunlich ist vielmehr die differenzierte und reflektierte Art und Weise, wie sie sich mit ihrem eigenen Leben auseinandersetzt und sich nicht zum Opfer stilisiert.
Zur Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr weilte Baby Halder in Deutschland. Im Anschluss daran, geht sie auf eine Lesereise durch verschiedene Städte in Deutschland. Die Termin für die einzelnen Lesungen finden Sie auf der Homepage des Draupadi Verlags .
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Verfasst von: peer am 29. November 2008 um 01 Uhr 08 | Permalink
Bei der Veranstaltung mit Baby Halder in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin wurde die Autorin auf dem Podium eher in den Hintergrund gedrängt... Offensichtlich waren ein Teil der Veranstalter und des Publikums leider vielmehr an einer Unterhaltung über Frau Halder als an ihr selbst interessiert, weshalb ein Großteil des Gesprochenen gar nicht erst ihr gegenüber übersetzt wurde und sie selbst so kaum antworten konnte.Dies ist der Blog von suedasien.info, dem Informationsportal zu Südasien. In Ergänzung zu den ausführlichen und redaktionell bearbeiteten Analysen auf suedasien.info gibt dieser Blog den Raum für kurze subjektive Eindrücke aus und zu Südasien. Die einzelnen (namentlich gekennzeichneten) Beiträge entsprechen nicht unbedingt der Meinung der Redaktion und des Herausgebers.
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