Sie sind hier: Startseite Blogs Rezensionen Propaganda während des 2. Weltkriegs
Von: Savifa am 03. November 2008
Kategorie: Rezensionen Archiv
Churchill, Roosevelt and India: Propagand during World War II / Auriol Weigold. New York: Routledge, 2008.
Auriol Weigold, Mitarbeiterin an der Fakultät für Kommunikation und Internationale Studien an der Universität von Canberra , beschreibt in ihrem Buch die Bemühungen Großbritanniens, den Zeitpunkt der Dekolonialisierung Indiens so weit wie möglich hinauszuzögern. Neben den negativen Auswirkungen auf das britische Kolonialreich befürchtete man auch eine Schwächung der Anti-Hitler-Koalition. Zudem stand mit Premier Winston Churchill ein Mann an der Spitze des Vereinigten Königreichs, der wie kein zweiter den imperialen Anspruch Großbritanniens verkörperte. Sein engster Verbündeter war der US-amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt, der doch zugleich in der Indien-Frage eine viel liberalere Haltung einnahm.
Die öffentliche Meinung in den USA sollte zu Gunsten Großbritanniens beeinflusst werden, um so den US-amerikanischen Druck zu vermindern, eine rasche Unabhängigkeit Indiens zu ermöglichen. Die Beeinflussung des Meinungsklimas in den USA geschah über Informationen, die der US-amerikanischen Presse zugespielt wurden. Insbesondere die größeren Tageszeitungen wurden als Verstärker der britischen Interessen genutzt. Ein willkommener Anlass für Großbritanniens Propagandaschlacht war das Scheitern der Cripps-Mission 1942. Sir Stafford Cripps erhielt den Auftrag und das Verhandlungsmandat über eine indische Unabhängigkeit nach Kriegsende zu verhandeln. So lange kein Waffenstillstand geschlossen werde, sollten die indischen Verhandlungspartner einer weiteren Einschränkung ihrer Selbstbestimmungsrechte zustimmen. Weiterhin beinhaltete die Offerte den Schutz der Minderheiten, was auch der möglichen Gründung eines eigenen Staates für Indiens Muslime weiter die Tür öffnete. Winston Churchill rechnete fest damit, dass die Mission scheitern würde und man der indischen Seite "den schwarzen Peter" zuschieben könne. Als trotzdem eine Einigung näher rückte, wurde Stafford Cripps das Verhandlungsmandat entzogen. Die indischen Vertreter wiesen die nicht mehr verhandelbare Zwischenlösung für die Dauer des Krieges zurück. Die Mission war tatsächlich gescheitert.
So konnte nun das britische Verhandlungsangebot als kluge, weitsichtige Entscheidung angesehen werden, deren Scheitern der indischen Seite anzulasten sei. Die indische Unabhängigkeitsbewegung konnte als unversöhnlich dargestellt werden, die keinen Willen zur Übernahme der Regierungsverantwortung zeige und zudem kein Gespür für die Minderheitenproblematik habe. Insbesondere die britische Botschaft in Washington lancierte diese Sichtweise, die von großen Tageszeitungen übernommen wurde und somit die US-amerikanische Sichtweise prägte. Somit gelang es Großbritannien für einen gewissen Zeitraum tatsächlich die öffentliche Meinung in seinem Sinn zu beeinflussen, was jedoch den Gang der Ereignisse letztlich nicht aufhalten konnte.
Zuletzt geändert am 04.11.2008 23:03:37 von urmila
Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
Großbritannien
Kolonialismus
Unabhängigkeitsbewegung
USA
Wissenschaft
.
Als registriertes Mitglied können Sie einen Kommentar zu diesem Beitrag verfassen.
Noch keine Kommentare vorhanden.
Dies ist der Blog von suedasien.info, dem Informationsportal zu Südasien. In Ergänzung zu den ausführlichen und redaktionell bearbeiteten Analysen auf suedasien.info gibt dieser Blog den Raum für kurze subjektive Eindrücke aus und zu Südasien. Die einzelnen (namentlich gekennzeichneten) Beiträge entsprechen nicht unbedingt der Meinung der Redaktion und des Herausgebers.
Wir freuen uns über neue Autorinnen und Autoren. Beschäftigen Sie sich mit Südasien oder sind Sie vielleicht gerade vor Ort und möchten von Ihren Eindrücken berichten? Schreiben Sie uns einfach eine kurze E-Mail und erzählen Sie ein wenig von sich und den Themen, über die Sie schreiben wollen.
© 2005-2008 suedasien.info
Konzeption und Design:
metaphora - Webentwicklung, Beratung, Schulung