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Sie denkt sich nichts dabei

Von: urmila am 20. Dezember 2009

Kategorie: Meinung Archiv

Georg Blume schreibt jetzt regelmäßig in der taz über Indien. Und mein Unbehagen nimmt dabei weiter zu:

Vor kurzem veröffentlichte er einen Artikel über den Klimawandel . Als Aufhänger für den Artikel nimmt er Nisa Singh, eine Bäuerin in Haryana. Und ihr schreibt er alle rassifizierten Gender-Stereotype zu, die er finden kann: sie ist still, schön, scheu, lacht, unwissend, Analphabetin, denkt sich nichts, etc. Die Männer hingegen trinken Tee, quatschen und arbeiten nicht. Sie sind nicht so unwissend wie die Frauen, aber auch nicht so wissend wie 'wir': "Mewa Singh erfasst die Gründe nicht im Einzelnen. Er weiß nicht, was die Wissenschaft ausgerechnet hat"

 

Zuletzt geändert am 05.11.2011 22:43:24 von urmila

Unter den folgenden Schlagworten finden Sie weitere Informationen zu diesem Thema:
Gender Indien Klimawandel Postkolonial .

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Kommentare

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  1. "Sie denkt sich nichts dabei"

    Verfasst von: tbader am 15. März 2010 um 12 Uhr 31 | Permalink

    Ich möchte mich dem von Urmila geäußerten Unbehagen in Bezug auf die teils sehr stereotypen Darstellungen Herrn Blumes anschließen:
    In einem Artikel für die "Zeit" vom 18. Februar 2010 ("Es war einmal unser Indien") scheint sich dies zu bestätigen:
    Nicht nur zwischen den Zeilen stößt man im Artikel von Herrn Blume auf ein idealisiertes Bild vom „kosmopolitischen“ Indien. Man fragt sich nach dem Erkenntnisgewinn des Artikels und soll wohl zu der Einsicht gelangen: „Deutsche Investoren und Besucher des Osho-Club Med, seid ganz entspannt im Hier und Jetzt. Es gibt keinen Grund zur Panik. Wir sind hier in Indien, dem Land der multireligiösen Eintracht, der stoischen Gelassenheit“ und, ach ja, das vergaß der Autor noch, der „größten Demokratie der Welt.“ Aber das wäre der Phrasendrescherei und Klischees dann wohl doch zuviel.
    Um die vermeintliche Toleranz in Pune zu untermauern, gibt Herr Blume die Auffassung des Leiters der deutschen Industrie- und Handelskammer unhinterfragt wieder, der selbstverständlich ein Interesse daran hat, Pune als Hort des sozialen Friedens darzustellen – das Kapital ist bekanntlich ein scheues Reh.
    Stattdessen hätte Herr Blume, um zu einer realistischen Darstellung sozialer Verhältnisse in Pune zu gelangen, nicht nur Vertreter der einheimischen Elite zu Wort kommen lassen sollen. Hätte er Berichte über Hetze und Gewaltausbrüche gegen nordindische ArbeitsmigrantInnen aus Bihar und Uttar Pradesh zur Kenntnis genommen, wäre sein Traumbild flugs zerstoben.
    Ausgerechnet in Pune fielen Ressentiments gegen MigrantInnen aus den ärmeren Bundesstaaten Indiens bisher auf fruchtbaren Boden. Hier verfügen die rechtsradikale Shiv Sena Partei und ihre Unterorganisation Maharashtra Navnirman Sena (MNS) über erheblichen politischen und gesellschaftlichen Einfluss. Während die Urheberschaft des Bombenanschlags auf die German Bakery in Pune keineswegs feststeht, und es grob fahrlässig vom Autor ist, diese in einen direkten Zusammenhang mit den Anschlägen von Mumbai im November 2008 (nicht 2009, wie im Artikel behauptet!) zu stellen, gilt das Wissen über die Rolle von Shiv Sena und der MNS als geistige Brandstifter bei den "Pune Riots" Ende Februar 2008 als gesichert. In deren Folge flohen nach offiziellen Angaben mehr als 25.000 Arbeiterinnen und Arbeiter aus Angst vor weiteren gewalttätigen Übergriffen aus Pune.

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