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Von: peer am 15. Mai 2009
Kategorie: Nachrichten Archiv
Die Armee Sri Lankas belagert die letzte Enklave der tamilischen Guerilla, in der 50.000 Zivilisten eingeschlossen sind.
Eine Flucht ist unmöglich. Die Armee hat die letzten Kampfeinheiten der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) in einem gerade noch vier Quadratkilometer großen Küstenstreifen umstellt. Der Sieg ließ bislang noch auf sich warten, und rund 50.000 Zivilisten sind zusammen mit den Guerilleros eingekesselt. Sie dienen als menschliches Schutzschild, Sprengfallen der LTTE verhindern ein Entkommen. Hilfstransporte des Internationalen Roten Kreuzes mit Lebensmitteln und medizinischem Bedarf scheitern am Beschuss, Verwundete können nicht abtransportiert werden. Luftaufnahmen und die aus dem Kessel herausgefunkten Bilder verdeutlichen die katastrophale Lage der Eingeschlossenen.
Die Regierung in Colombo hat vergangene Woche das Militär nach internationalem Druck endlich angewiesen, auf den Einsatz von Artillerie und Luftbombardements zu verzichten. Doch Waffenstillstandsangebote werden abgelehnt, die halsstarrige LTTE wiederum verweigert sich einer Kapitulation. Verteidigungsstaatssekretär Gotabaya Rajapakse fordert weiterhin die "endgültige Vernichtung" der LTTE. Der offene Bürgerkrieg steht vor dem Ende, ob damit der Konflikt zwischen der singhalesischen Mehrheit und der tamilischen Minderheit gelöst ist, scheint hingegen fraglich. Denn die Regierung hat bislang nichts unternommen, um die Spaltung der Gesellschaft zu überwinden. Stattdessen hat sie die Bürgerrechte weiter beschnitten, sich ihrer Kritiker entledigt und Angst geschürt.
Die eingeschlossenen Zivilisten kümmern die Regierung anscheinend wenig, sie dienen vielmehr als Beleg für die Rücksichtslosigkeit und Grausamkeit der Tiger. Zudem hat das Militär Probleme mit der Versorgung der Zivilisten in den bereits eroberten Gebieten, die als potenzielle LTTE-Sympathisanten betrachtet werden. Dieser Logik folgend nimmt man den Tod im Kessel billigend in Kauf. Am Ende wird die Armee schon siegen.
Anders als bei der Versorgung der "Flüchtlingslager" hat die Armee bei militärischem Material keinerlei Nachschubprobleme. Eine Erstürmung der letzten LTTE-Bastion würde wohl mehr Opfer in den eigenen Reihen fordern als der derzeitige Stellungskrieg, und irgendwann dürfte den Guerilleros die Munition ausgehen. Am Wochenende starben mehr als 400 Menschen, ein Krankenhaus wurden von Granaten getroffen. Jeder weitere Kampftag verschlimmert die Lage. Doch weder Armee noch Tiger scheren sich darum.
Dieser Artikel erschien am 14. Mai in der Wochenzeitung Jungle World (Nr. 20/2009)
Zuletzt geändert am 15.05.2009 22:40:09 von peer
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