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Von: Gerlinde am 01. November 2009 keine Kommentare
Auf der Seite Sinlung.com, die sich auf Nachrichten aus dem Nordosten Indiens konzentriert, fanden sich letzte Woche unter der Rubrik „Women“ u.a. zwei erschreckende Beiträge. Der eine berichtet aus Kohima, Nagaland, von Abtreibungen unehelicher Kinder, die zum Großteil von ungelernten Personen durchgeführt werden. Die Methoden sind primitiv, unzuverläßlich und darüber hinaus extrem schmerzhaft und gefährlich für die Frau. Viele Frauen, so wird erklärt, könnten sich eine professionelle Behandlung nicht leisten; außerdem hätten sie zu befürchten, von den Ärzten schikaniert zu werden. Darüber hinaus müssten die Abtreibungen – so üblich sie sind – meist heimlich stattfinden. Allein in der Region der Stadt Dimapur geht man von 150-200 Abtreibungen täglich aus.
Der zweite Artikel berichtet von der 21-jährigen Rupali Bhuyan aus Kakopathar (Assam), die als Strafe für irgendein Fehlverhalten von den anderen Dorfbewohnern gezwungen wurde, wie ein Ochse den Pflug durch ihr Feld zu ziehen. Dieses Ereignis sowie mehrere Fälle von 'Hexenverfolgung' in der Region waren Auslöser für eine Debatte, in der die 'Assam State Commission for Women' (ASCW) fordert, bereits in Schulbüchern Aberglauben entgegenzuwirken.
Nachrichten wie diese sind jedoch keinesfalls ungewöhnlich, liest man die regionalen Zeitungen oder Internetseiten. In die landesweite Presse gelangt jedoch kaum etwas aus dem Nordosten. An fünf verschiedene Nachbarstaaten grenzend und nur durch einen schmalen Streifen Land mit Indien verbunden wird dieses Gebiet von der Regierung in Delhi meist ignoriert und dient bestenfalls als Pufferzone zu China. Wird für den Tourismus die Schönheit und Vielfalt von Landschaft und Kultur gepriesen, ist das Leben der Menschen dort vielmehr geprägt von Armut, blutigen Aufständen, Arbeitslosigkeit und Drogen- und Alkoholkonsum. Zwar hat die Regierung 1958 den 'Armed Forces (Special Powers) Act' erlassen, nach dem das Militär nach Verdacht Durchsuchungen und Festnahmen durchführen sowie, wenn nötig, schießen konnte. Verändert hat sich durch diese Maßnahme jedoch nur, dass die Bevölkerung seitdem zwischen den Fronten steht und gleichermaßen von Militär und Aufständischen bedroht ist.
Von den Medien oft ignoriert, sind vor allem die Frauen Opfer dieses Konfliktes. Einerseits in den patriarchalen Gesellschaften stark an ihre Aufgaben gebunden und finanziell abhängig von ihrer Familie, müssen sie sich andererseits alleine um die Versorgung ihrer Kinder kümmern, wenn der Mann entführt oder umgebracht wird. Darüber hinaus erschweren die schlechte medizinische Versorgung sowie Alkoholismus und Drogenabhängigkeit der Männer ihr Leben. In den Dörfern sind die Frauen bei der Feldarbeit ständig der Gefahr ausgesetzt, von Aufständischen oder vom Militär vergewaltigt zu werden – Verbrechen, die selten geahndet werden. Häufig dagegen wird die Frau danach von der Familie ihres Mannes verstoßen. Abgesehen von diesen extremen Beispielen (die jedoch nicht selten sind) haben Frauen generell schlechteren Zugang zur Bildung, können kein Vermögen erben oder, wenn doch, nicht frei über dieses verfügen. Sie haben auf lokaler Ebene kein politisches Mitspracherecht und und auch bei Wahlen wählt der Mann oft für die Frau mit.
Trotz dieser extrem widrigen Umstände hat sich in den letzten Jahrzehnten im ganzen Nordosten ein breites Netzwerk solidarischer Frauenorganisationen gebildet, die auf unterster Ebene versuchen, ihre Lebensumstände zu verbessern. Eine davon ist die inzwischen relativ bekannte Organisation Meira Paibi. Der Name – auf deutsch 'Fackelträger' – verweist auf die nächtlichen Patrouillen dieser Frauen um ihre Nachbarschaft zu schützen. Hat Meira Paibi sich bereits zu Kolonialzeiten gegen die Ausbeutung der Briten eingesetzt, kämpft die Organisation heute gegen häusliche Gewalt, Drogen- und Alkoholkonsum und für bessere Bildungschancen für Mädchen. Meira Paibi sind extrem gut vernetzt, hartnäckig und mutig. Als 2004 die 32-jährige Thangjam Manorama unter Verdacht von Vertretern der indischen Armee festgenommen und am selben Abend vergewaltigt und umgebracht wurde, zogen sich als Protest zwölf Vertreterinnen von Meira Paibi vor dem Hauptgebäude der Armee aus. Auf ihren Schildern stand: „Indian Army, come and rape us all“.
Die Situation der Frauen im Nordosten Indiens ist extrem schwierig. Umso mehr ist zu bewundern, dass es inzwischen in den meisten Dörfern Frauengruppen gibt, die sich für ihre Gesundheit, Sicherheit und Bildung, d.h. für ihre Rechte als Menschen einsetzen. Es wäre wünschenwert, wenn man in den Medien mehr über diese Frauen erfahren und damit eine breitere Unterstützung ermöglichen könnte. Man könnte hoffen, dass Berichte aus dem Nordosten wie die oben genannten seltener werden.
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Von: Toni Kaatz am 11. Mai 2009 keine Kommentare
Im Rahmen meines Studiums absolviere ich ein sechsmonatiges Praktikums mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Bangladesch . Es geht in dem Projekt, in dem ich arbeite, darum die Situation der Armen in den Städten zu verstehen und die lokalen Behörden bei der Verbesserung der Armutssituation zu unterstützen.
Obwohl das Projekt nicht in Dhaka arbeitet, sind wir auf einen interessanten Fall von low cost housing (Erschwinglicher Wohnraum) in der Hauptstadt gestoßen, den die lokalen Behörden selbst implementiert haben und von dem wir hoffen, lernen zu können. Für die Recherche zu einem Artikel darüber habe ich einen Termin mit dem Slum Development Officer (SDO) von Dhaka im Verwaltungshauptquartier der 15-Millionen-Stadt. Ein honorabler Job, denke ich mir, dieser Mann muss ein hohes Maß an Courage und Engagement mitbringen. Immerhin schätzt man die Einwohnerzahl der provisorisch aus Blechhütten zusammengebauten Viertel allein in Dhaka auf rund drei Millionen, Tendenz steigend. Einiges ist da zu tun und das nicht erst seit gestern.
Zusammen mit meiner Kollegin, die als Consultant für die GTZ arbeitet, betrete ich das riesige Gebäude, das ein wenig an kommunistische Protz-Architektur erinnert. Mit seinen massive Betonwänden und den langen dunklen Gängen suggeriert das Gebäude der Dhaka City Corporation (DCC) nach außen Macht und Autorität. Was ich jedoch im Innern des Gebäudes erlebe, ist irgendwo zwischen surreal und zum Verzweifeln, in jedem Fall weit entfernt vom Eindruck einer kompetenten Behörde, die irgendetwas anpackt.
Wir betreten das Büro des Officers. Ein etwas feister Mann Mitte Vierzig sitzt da entspannt hinter seinem Schreibtisch. Ein stilsicheres Hemd, das sicher nicht ganz billig war, hat er an, auch die Uhr an seinem Arm sieht teuer aus. Weitere vier Personen sind mit im Raum, nur einer von ihnen ist Angestellter der DCC. Als wir uns dem SDO vorstellen, nimmt er kurz Notiz von uns, wirkt aber abgelenkt. Was wir wollen, fragt er. "Wir arbeiten an einem Artikel zu low cost housing in den Slums", beginnt meine Kollegin. "Wieso kommen Sie da zu mir?", antwortet er. "Auf Ihrer Webseite steht, Sie seien zuständig", erwidert meine Kollegin, "auch am Telefon versicherte man uns das." Etwas nervös greift der SDO schnell zum Telefon, um sich Verstärkung anzurufen, die alsbald in Gestalt eines weiteren externen Mitarbeiters, der von der UN bezahlt wird, erscheint. Derweil beginnen die anderen im Raum, die eigentlich nur zufällig im Büro des Offiziellen sitzen, zu fachsimpeln. Nachdem sich alle Anwesenden nach einigem Pallaver geeinigt haben, dass alle möglichen Abteilungen der DCC für den Hausbau in den Slums zuständig sind, nur nicht das Slum Development Department, ist bereits eine halbe Stunde vergangen. Der eigentlich Zuständige hat in dieser Zeit vielleicht zwei Sätze gesagt, die keinerlei relevante Informationen enthielten. Er sei der einzige Slum Development Officer in Bangladesch, lässt er uns wissen (was Unsinn ist). Ständig unterschreibt er irgendetwas, verlässt den Raum zwischenzeitlich, scheint unsere Anwesenheit aber gar nicht weiter wahrzunehmen.
Einer der Personen im Raum, der zwischen mir und dem Schreibtisch des SDO Platz genommen hat, beantwortet die Fragen, die ich an den Offiziellen zu richten versuche. Er stellt sich mir als Mitglied einer NGO vor, die zu Kinderarbeit in den Slums arbeitet. Ich schaue in Richtung SDO und frage: "Wofür ist das Slum Development Department denn zuständig?" "Wissen Sie, wir kümmern uns vor allem um die Situation der Armen in den Slums in Dhaka", antwortet mir der ungefragte Mittelsmann. "Und was konkret tuen Sie für die Armen?" Derselbe: "Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Verbesserung der Situation der Armen." Ein bisschen wie in Kafka's Prozess komme ich mir vor.
Als ich nach dem Budget frage, die erste brauchbare Antwort: 30 Millionen Taka (3,2 Mio. €) im Jahr. "Und wofür geben Sie das aus?" "Vor allem für Straßenbeleuchtung und Fußwege", antwortet erneut der Mittelsmann. Als ich zum dritten Mal darauf bestehe, meine Frage direkt vom SDO beantwortet zu bekommen, blickt mich dieser kurz an. "Wenn Sie auf die Situation der Slums in Dhaka schauen, was hat denn Ihrer Meinung nach Priorität?", frage ich. "Das wichtigste ist, meiner Meinung nach, die Verbesserung der Wohnsituation in den Slums", spricht es vollen Ernstes von hinter dem Schreibtisch. "Gibt es denn geplante Projekte zur Verbesserung der Situation in den Slums?" Deutlicher als ich zu diesem Zeitpunkt erwartet hatte: "Nein." Es folgt ein fünfminütiger Vortrag über Bangladesch, beginnend beim 17. Jahrhundert und wir geben auf. Als wir uns verabschieden, versichert man uns, dass wir selbstverständlich jederzeit wiederkommen können, sollten wir noch Fragen haben.
Die ganze Interviewsituation war derart grotesk, dass meine Kollegin und ich schon auf dem Gang anfangen zu lachen. Auf dem Weg zurück ins Büro, Analyse: saß uns da eben ein gewiefter PR-Stratege gegenüber, der sich, warum auch immer, gekonnt um jede Antwort gedrückt hat? Oder hat dieser Bürokrat einfach nicht die leiseste Ahnung, wofür er verantwortlich ist? Wohl eine Mischung aus beidem, schließen wir. Ich, persönlich, bin enttäuscht, dass ich nicht die gewünschten Informationen bekommen habe und entsetzt, dass die Verbesserung der Straßenbleuchtung als wichtiger angesehen wird, als die Herstellung humanitärer Grundlagen. Meine Kollegin dagegen ist froh, nicht mit diesem Mann zusammenarbeiten zu müssen.
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Von: eric am 26. September 2008 keine Kommentare
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Nachdem es am Tag zuvor bereits zum zweiten Mal zu einem Feuergefecht zwischen pakistanischem Militär und einem US-Hubschrauber im Grenzgebiet zu Afghanistan gekommen war, nutzte der neue pakistanische Präsident Asif Ali Zardari sein Debüt vor der UN-Vollversammlung am 26. September, um die Verletzung der territorialen Integrität seines Landes durch US-Militär scharf zu verurteilen. Pakistan könne es nicht zulassen, dass sein Territorium "durch unsere Freunde verletzt" werde. Ebenso wenig wie seine Regierung die Nutzung seines Landes als Basis für terroristische Aktivitäten dulde, könne sie die Verletzung der Souveränität Pakistans akzeptieren. Diese würde nur den Extremisten in die Hände spielen, die die US-geführten Truppen bekämpfen wollten.
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Von: eric am 22. September 2008 keine Kommentare
Kategorie: Nachrichten Archiv
Wie die Interim-Regierung am Wochenende in Dhaka mitteilte, sollen knapp zwei Jahre nach ihrer überraschenden Verschiebung die nächsten Parlamentswahlen nun am 18. Dezember stattfinden. Allerdings kündigte das von der Bangladesh Nationalist Party geführte Vier-Parteien-Bündnis umgehend einen Wahlboykott an, falls die Regierung ihr Vorhaben umsetzt und religiöse Parteien von dem Urnengang ausschließen sollte. Es scheint somit fraglich, ob das Land mit den Wahlen die politische Instabilität überwindet, die am 11. Januar 2007 die Ausrufung des Ausnahmezustandes provoziert hatte.
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Von: Savifa am 18. Juni 2008 keine Kommentare
Website der Woche von Savifa
Am Institut Français de Pondichery läuft seit 2005 ein Projekt mit dem Ziel, einen interaktiven Atlas zur Geschichte Südasiens zu erstellen.
Dabei werden sowohl vorhandenes Kartenmaterial als auch bereits als Druckversion vorliegende Atlanten zu einem interaktiven Atlas zusammengeführt.Zu den berücksichtigten Referenzwerken gehört der bekannte Atlas zur Geschichte Südasiens, der unter dem Titel A historical Atlas of South Asia von Joseph E. Schwartzberg herausgegeben wurde.
Obwohl das Projekt, an dem verschiedene südindische Universitäten wie die Tamil University (Thanjavur), die Mahatma Gandhi University (Kottayam), die Mangalore University und die Central University of Hyderabad beteiligt sind, noch nicht abgeschlossen ist, steht ein Prototyp des Atlas online frei zur Verfügung. Zunächst konzentrierten sich die beteiligten Einrichtungen auf Tamil Nadu und Kerala, mittlerweile wird auch an den Daten für Andhra Pradesh und Karnataka gearbeitet.
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