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Von: peer am 14. Januar 2010 keine Kommentare
In diesem Jahr soll Hammad Khans Film "Slackistan" in die Kinos kommen. Laut der Kurzbeschreibung auf der offiziellen Website zum Film und dem dort verlinkten Teaser dürfte "Slackistan" eine andere Sichtweise auf den Alltag in Pakistan werfen - wenn auch eher nur aus der Sicht der noch kleinen städtischen Oberschicht:
Welcome to Islamabad, Pakistan. The city that always sleeps...
A group of twenty-something friends hang out in the rich neighbourhoods of the federal capital city aka ‘Isloo'. Hasan flirts with both filmmaking dreams, as well as secret crush Aisha. But a daily routine of cruising around town with his cocky, status-obsessed buddy Sherry could keep Hasan from escaping the existential bubble he is trapped in.
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Von: Fritzi am 05. November 2009 keine Kommentare
Vor drei Tagen berichtete die Hindustan Times von der geplanten Eröffnung Indiens erster "Ice Bar" in Mumbai. Der Artikel sowie die Facebook-Fan-Seite der Bar locken mit einem Interieur aus Eis, Bildern von in Daunenjacken und Moonboots gekleideten Besuchern sowie spektakulären minus 6 Grad bzw. "21 Fahrenheit", die der Ice Bar auch ihren Namen geben.
Das neue Etablissement scheint trotz des stolzen Eintrittspreise von 750 Rupien (umgerechnet ca. 12-13 Euro) bereits vor seiner Eröffnung der letzte Schrei in der hippen Mumbaier Oberschicht zu sein. Nicht überraschend, dass ähnliche Ice Bars in Dubai schon länger für Furore und Begeisterung sorgen. Dort sind ja die Durchschnittstemperatur nicht wie in Mumbai tropisch, sondern sogar wüstengleich. Welch Vergnügen also, nach dem Büro ein bisschen in der Eishöhle an seinem Cocktail zu nippen und in eine flauschige Dauenjacke gehüllt flambierte Spezialitäten zu verspeisen.
All dies mag uns, die wir mit jedem Monat die Heizung etwas höher drehen, absurd erscheinen aber vielleicht handelt es sich schlicht um ein Zukunftsmodell für den Klimawandel. Dann wäre die Ice Bar irgendwann die logische Alternative zur Sauna. Denn freiwillig bei 90 Grad schwitzend in einem engen Raum zu hocken, klingt kaum weniger absurd.
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Von: peer am 22. September 2009 keine Kommentare
Heute stieß ich nach langer Zeit wieder auf Theodor Fontanes Ballade "Das Trauerspiel von Afghanistan". Einst hatten wir sie im Deutschunterricht behandelt, heutezutage finden sich im Internet Podcasts von Gedichten. Gibt es eigentlich aktuelle deutschsprachige Balladen zu Afghanistan?
Das Trauerspiel von Afghanistan
von Theodor Fontane (1847)
Der Schnee leis stäubend vom Himmel fällt,
Ein Reiter vor Dschellalabad hält,
"Wer da!" - "Ein britischer Reitersmann,
Bringe Botschaft aus Afghanistan."
Afghanistan! er sprach es so matt;
Es umdrängt den Reiter die halbe Stadt,
Sir Robert Sale, der Commandant,
Hebt ihn vom Rosse mit eigener Hand.
Sie führen in's steinerne Wachthaus ihn,
Sie setzen ihn nieder an den Kamin,
Wie wärmt ihn das Feuer, wie labt ihn das Licht,
Er athmet hoch auf und dankt und spricht:
"Wir waren dreizehntausend Mann,
Von Cabul unser Zug begann,
Soldaten, Führer, Weib und Kind,
Erstarrt, erschlagen, verrathen sind."
"Zersprengt ist unser ganzes Heer,
Was lebt, irrt draußen in Nacht umher,
Mir hat ein Gott die Rettung gegönnt,
Seht zu, ob den Rest ihr retten könnt."
Sir Robert stieg auf den Festungswall,
Offiziere, Soldaten folgten ihm all',
Sir Robert sprach: "Der Schnee fällt dicht,
Die uns suchen, sie können uns finden nicht."
"Sie irren wie Blinde und sind uns so nah,
So laßt sie's hören, daß wir da,
Stimmt an ein Lied von Heimath und Haus,
Trompeter, blas't in die Nacht hinaus!"
Da huben sie an und sie wurden's nicht müd',
Durch die Nacht hin klang es Lied um Lied,
Erst englische Lieder mit fröhlichem Klang,
Dann Hochlandslieder wie Klagegesang.
Sie bliesen die Nacht und über den Tag,
Laut, wie nur die Liebe rufen mag,
Sie bliesen - es kam die zweite Nacht,
Umsonst, daß ihr ruft, umsonst, daß ihr wacht.
Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
Vernichtet ist das ganze Heer,
Mit dreizehntausend der Zug begann,
Einer kam heim aus Afghanistan.
Quelle: wikisource
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Von: mario am 06. Juli 2009 2 Kommentare
Die Kulturabteilung der Indischen Botschaft lud ein zu einem Abend devotionaler Gesänge. Es sangen Swami Gurusharanananda und Swami Mangalananda aus Zentral-Indien, zwei vollbärtige Herren mittleren Alters in orangefarbener weiter Baumwollkleidung (um die ich sie beneidete). Ah, wenn ich sage: aus Zentral-Indien, so stimmt das nur genau zur Hälfte, denn einer der Swamis war ein Amerikaner, der seit 1973 regelmäßig nach Indien fährt, und außerdem war da eine „Lady from eastern Germany“, die zuerst einen Rhythmus klinkerte und später zur Musik tanzte bzw. sich kreiselnd über die Bühne drehte. Der junge indische Trommler glich das Ost-West-Verhältnis aus.
Die beiden Herren, rein optisch eine Light-Ausgabe von ZZ Top (Kopfbedeckungen, Brillen und eben Vollbärte) saßen in Schneider- Pardon! Lotossitz da und trugen über zwei Stunden hinweg ihre schönen sprituellen Lieder vor. Kräftig in der Stimme und stark, ja sogar leicht amerikanisch im mimischen Ausdruck und in der pausenfüllenden Rhetorik. Ja, da waren Profis am Werk, die ihre Sache von der Pike auf gelernt hatten: Das herzlich-friedliche breite Grinsen, - erlöst von allem Weltlichen, voll von innerer wie äußerer Harmonie - war ebenso einstudiert und auf Kommando aufsetzbar bzw. abrufbar wie die Töne der zu singenden Melodien...
Die Plätze des Auditoriums waren zu drei Fünfteln gefüllt mit blassen Neugierigen aller Altersstufen. Auch einige Inder waren dort und da wie exotische Hotspots in die Feierabendgesellschaft verteilt.
Sobald die ersten Töne erklangen und ein Rhythmus von den deutschen Ohrenträgern und vor allem -trägerinnen ausgemacht worden war, begannen die ersten Hingebungswilligen, sich in ihrem Stuhl hin und her zu wiegen, mit viel Schulterarbeit, das Kinn dabei in Richtung Brust gesenkt oder gen Himmel respektive Saaldecke gereckt, die Augen geschlossen. Ärmel von weiten, indisch anmutenden Gewändern, die extra für den Abend ausgewählt und angezogen worden sein könnten, schlackerten um weisse Handgelenke, die mit vergleichsweise zu starken indischen Armreifen behangen waren. Einige der anwesenden Herren immitierten auf den Oberschenkeln beidhändig und pseudo-fachmännisch den Trommler, der oben am Bühnenrand gute Arbeit leistete.
Der indigen indische der beiden indischen Gurus erzählte zwischen zwei Liedern gern einen seichten Witz mit Aha-Effekt á la: Einem Asketen wird von einem Hund das einzige Fladenbrot gemopst. Der Asket rennt dem Hund hinterher, einen Topf Butter in der Hand. Als die Dorfbewohner ihn fragen, ob er als Asket denn nicht auf den Fladen verzichten könne, sagt er: Oh doch! Nur, der Hund soll das Fladenbrot mit Butter essen! Die Moral der Geschichte erklärt sich von selbst: „deep, true love to every thing and every beeing on the planet.“
Und dann, o weh!, kam der Moment, der mich, bei all dem vorherigen eitlen Spiritualismus dort auf der Bühne, endgültig skeptisch werden ließ, an dem ich mir doch arg rational und irgendwie überlegen, weil doch überdurchschnittlich selbstgefestigt vorkam im Gegensatz zu ca. drei Vierteln der anwesenden Sinnsucher/innen: Es wurde zum Tanzen bzw. Mittanzen aufgefordert: Der unerwartete abendliche Befreiungsruf an die geschlagenen, unterdrückten Seelen der Stadt, denen es nach nach einem Süßwasserozean des Aus-sich-raus-Gehens dürstet.
Nach den ersten Takten erhoben sich einige Frauen schwungvoll und traten aus den Sitzreihen hervor, um ihre vormals auf den Stühlen sitzenden Schwankungen und Schwinungen stehend und also freidrehend ausbreiten zu können. Und dann gab es schon nach kurzer Zeit kein Halten mehr. Die Leute standen auf, Taschen wurden abgelegt und Stuhlreihen recht unharmonisch (weil kraftvoll) zusammengeschoben, um mehr Tanzfläche zu haben. Bei all' meinen bisherigen Besuchen in der indischen Botschaft hier in Berlin habe ich das noch nicht erlebt. Arme wurden geschleudert, Hinterteile kamen ganz unasketisch und eher vergeblich-verführend in kreisrunde Bewegungen. Geschlossene Augen, wo ich nur hinsah. Figuren, Wellen und Luftschlangen wurden mit gestreckten Armen in die Luft gezeichnet, die Aura dargestellt und das Karma positiv aufgeladen - was weiß ich, welche schwebenden Bilder in den Tänzern und Tänzerinnen vorgingen, als sie den Takt klatschten oder teilweise damit genau neben eben diesem lagen. Die Hippies der Siebzigerjahre bekamen das spirituelle Freitanzen inklusive erleuchtetem Grinsen bei geschlossenen Augen nicht besser, aber auch nicht schlechter hin als die hier via softem Kommando und Knopfdruck und Trommelschlag plötzlich aktivierten Glückseligen, von denen es in indischen Städten wie Rishikesh förmlich wimmelt: Yoga-Treibende, Seelsucher, Erleuchtungsgläubige und Erleuchtungswillige, Friedenstauben, Hare-Krishna-Opfer und sonstige Weltentrückte auf Zeit, denen von teilweise cleveren Pseudo-Gurus und dreisten Scharlatanen eingeredet wird, sie seien so, wie sie daherkämen, grundsätzlich nicht in Ordnung, könnten sich aber durch das jeweilige Prinzip (Yoga, Meditation, etc.) verbessern und „peace in mind“ erlangen - gegen 70 US$ pro Tag (bei Selbstverpflegung).
Ein buntes Völkchen also, das nur der simplen, mit viel Harmonie vorgetragenen Aufforderung „Get up and dance, don’t be shy.“ bedurfte, um eine Markierung auf der gefühlten Karma-Skala nach oben zu rutschen:
Selbstfindung nach Feierabend, und sie alle werden schwören können, daß sie diese Energie in sich ohne das Indische am und im Indischen nicht zu spüren in der Lage wären (Ein befreundeter Inder klagte mir einmal sein Leid, das er mit solchen Leuten immer wieder erlebe. Denn es scheint in diesen Kreisen die Ansicht vorzuherrschen, jeden in Indien geborenen Inder prinzipiell als einen der Erleuchtung qua Geburt schon Näherstehenden zu verehren und ihn deshalb über dieses Thema ausfragen zu müssen!). So, wie sie da leben und tanzen, sind sie bei den religiösen Liedern und Gesängen „emotionaler“ und „gläubiger“, kurz gesagt also indischer bzw. hinduistischer als die indigenen Hindus selbst - und das ist mir immer verdächtig!
Letzlich aber also vom westlichen Deutschland verletzte und unter(?)- bzw. überforderte Charaktere, mit deren Leicht- und Gutgläubigkeit sich mitunter gute Geschäfte durch Wochenendseminare in Veda-Lektüre und Achtwochenkurse in esoterischem Mumpitz verdienen ließen. Leicht verführbare Gläubige, denen unsere christliche Dogmatik - wen wundert’s? - zu hülsenhaft und oft zu negativ daherkommen wird. Ja, im Prinzip könnte auch ich mich zu ihnen zählen, aber sofort auch wieder nicht, denn ich bin von je her zu kritisch und wittere die Show durch alle Barthaare und Baumwollfäden hindurch, rieche den Braten trotz Totaler Anosmie über Meilen gegen den indischen Gebirgswind. Gut, ja, ich kann mir ein „Om namah Shivaya“ über die Lippen kommen lassen, und das in allem tatsächlichen Respekt und in aller Ernsthaftigkeit, die ich für Religionen empfinden kann. Aber ich verspürte nie, auch nicht in Indien selbst, die Notwendigkeit, mich in eine bestimme Richtung verändern zu müssen. Aus den extra für Westler eingerichten Ashrams im schon genannten Rishikesh flüchtete ich nach kürzester Zeit, nach anderthalb Stunden, wobei ich mir noch in dieser Zeit das höhnisch-skeptische Grinsen ob des amerikanischen Neu-Heiligen und Ober-Gurus (ganz in Weiß) kaum verkneifen konnte, dem zu Ehren alles aufstand, sobald er einen Raum betrat und der die Leute zu segnen begann, wie es wohl kaum ein echter Sadhu im indischen Wald täte. Die Gäste des Ashrams waren ausnahmslos unindische Touristen westlicher Länder, die hinweggerafft und aufgelöst zu ihm flohen und sich eiligst verbeugten: Sei uns ein starker Führer, nach Feierabend und im Urlaub! Einen starken Führer wollen wir! - Ja, wenn alle Stricke reissen, schlage ich mich als bald fertig studierter Indologe und Südasienwissenschaftler eben auch mit dieser Klientel herum... und gründe meine eigene Sekte!
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Von: maria am 23. November 2008 keine Kommentare
Ich mag eigentlich Platittüden, wie "Indien - das Land der Widersprüche", nicht. Bei manchen Erlebnissen aber kommt mir in Delhi diese zu oft gebrauchte Phrase doch in den Sinn.
Auf einer meiner täglichen Rickshaw-Fahrten nach und von Teen Murthi sah ich vor einigen Tagen etwas sehr Berührendes. Über eine 6-spurige Straße führt eine Brücke, unter der sich die Zelte und andere behelfsmäßige Behausungen einiger Bewohner Delhis befinden. Gleich daneben befindet sich eine große Rasenfläche, auf der einer der indischen Konzerne Gartenarbeiten durchführen und futuristisch anmutende silberne Kunstwerke (eventuell auch Lampen, who knows?) aufstellen lässt. Aber das ist gar nicht der Widerspruch, über den ich schreiben wollte.
Sondern an diesem Morgen stand zwischen den Behausungen und den "Kunstwerken" etwa 3 Meter von dem auf den 6 Spuren dahinrasenden Verkehr entfernt, auf dem Rasen ein älterer indischer Mann. Er war nur in einem Dhoti bekleidet, noch naß von der morgenlichen Wäsche und streckte völlig versunken und scheinbar unberührt vom Lärm, von der Kälte und der erwachenden Hektik Delhis seine Hände im Gebet der Sonne entgegen. Es war nur ein Augenblick, den ich ihn sah, bevor die Rickshaw mich weitertrug. Dieser Anblick aber blieb den ganzen Tag lebendig in mir.
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Von: maria am 13. Oktober 2008 keine Kommentare
Rickshaw fahren in Delhi ist ein echtes Erlebnis. Wenn ich von Rickshas spreche, meine ich natürlich die Auto-Rickshaws, die anderen sind im Stadtbild nur noch selten vorhanden. Die motorisierten Exemplare findet man hingegen überall, nur nicht immer zu jeder Zeit. Als Nicht-Einheimischer hat man mit vielen Tücken beim Rickshaw fahren zu kämpfen. Das beginnt schon mit den Preisverhandlungen. Man wird leider viel zu oft für uninformiert gehalten und es werden die überzogensten Preise präsentiert. Wenn man dann auf das Einschalten des Taximeters pocht, fährt die Rickshaw oftmals davon und das Spiel beginnt von vorne. Wenn der Fahrer bleibt und das Meter einschaltet, kann es schon mal passieren, dass es dann von 18 Rupien plötzlich auf 85 springt, womit man die gesamte Fahrt zweimal bezahlt hätte. Wenn das Meter partout nicht funktioniert oder der Fahrer partout nicht möchte, kann man sich vorab auch auf einen Preis einigen. Der liegt meistens über den Meterpreis, aber wenn man das Handeln raus hat, nicht viel. Eine weitere Tücke scheint dann aufzutreten, wenn man zu einem Ort möchte, der zu weit weg liegt. Mir passiert es leider regelmäßig, dass die Rickshawfahrer, wenn sie hören, wohin es gehen soll, abwinken und ohne jegliche Preisverhandlung wegfahren. Sitzt man dann erst mal in der Rickshaw erlebt man den Straßenverkehr in Delhi live und in Farbe, das heißt, Staub und Smog ohne Ende, ununterbrochenes Gehupe und wildes Auf- und Abhüpfen durch die Schlaglöcher. Hinzu kommt, dass man immer ein Auge auf seinen Fahrer haben sollte, weil es ist nicht ungewöhnlich, dass ihnen die Augen beim Fahren zu fallen.
Falls das ein wenig zu negativ klingt, so ist es nicht gemeint. Man hat auch immer wieder sehr freundliche Rickshawfahrer, die einen, ohne den Versuch des Trickens fahren und dabei noch ein wenig die Stadt erklären. Und man muss sich immer wieder klar machen, dass die mehr ausgehandelnden Rupien einen nicht umbringen und das Leben der meisten Rickshawfahrer hart ist. Wer eine wirklich schöne, nachdenklich machende Beschreibung zu diesem Thema haben will, dem sei die Geschichte "Schlaflos in Delhi" von Gagan Gill, zu finden in dem Band "Die Schlaflosigkeit Delhi und andere Wirklichkeiten" von der Edition Die Horen, Jg. 51, 3. Quartal 2006.
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Von: urmila am 07. August 2008 keine Kommentare
Wenn ich so durch Zürich laufe, treffe ich immer wieder Menschen, die ich aufgrund von physiognomischen Merkmalen für Menschen aus Südasien bzw. deren Nachfahren halte. Wenn sie dann perfektes Schweizer Deutsch sprechen, bin auch ich immer wieder überrascht (Hochdeutsch würde mich weniger überraschen, denn das spreche ich auch selber). Viele sprechen entweder Tamil oder Malayalam (die beiden Sprachen kann ich leider nicht auseinander halten). Menschen aus Sri Lanka bilden die größte Gruppe der außer-europäischen MigrantInnen in Zürich. Menschen aus Indien stehen immerhin auf Platz 5. Einige davon sind aus Kerala. Immer wieder höre ich auch nordindische Sprachen oder Englisch, gerade von jüngeren Menschen. Von denen sind vermutlich viele Studierende oder Professionals.
Auf den Strassen höre ich aber auch viel Hochdeutsch. Die Deutschen sind schliesslich die größte MigrantInnengruppe in der Schweiz.
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Von: mario am 26. Juli 2008 1 Kommentar
Nach mehreren redaktionsinternen Einladungen, diesen angeblich vor sich in dümpelnden Blog durch Beiträge zu bereichern - gerade, wenn man sich derzeit in der Region Südasien befände - möchte ich jetzt meinen kleinen Teil abliefern. Ich lebe seit einigen Tagen und für gute elf weitere Wochen in Kolkata (Calcutta) und darf berichten: Es regnet. -
Es regnet. Drei- bis viermal am Tag setzt ein kräftiger, schöner Sommerregen mit dicken Tropfen ein, der durch die grau-braune Smog-Glocke der Stadt hindurch auf die Busse, Autos, Fahrradfahrer und Fußgänger herabfällt und sich alsdann in Pfützen sammelt. Die Menschen auf den Bürgersteigen stellen sich in Gruppen unter Vordächern und sonstigen Überdachungen zusammen und gucken dem fallenden Wasser zu. Ihre Unterhaltungen, so scheint es, werden leiser, wobei der Verkehrslärm nachwievor ungedämpft durch die Straßen schreit. Der Regen verschafft den vielen hart Arbeitenden eine mehr als verdiente Ruhepause: Sie essen, trinken, rauchen eine Zigarette oder nutzen die Zeit für ein kurzes Schläfchen. Die in Indien und also auch in Kolkata allgegenwärtigen Krähen suchen Unterschlupf in dem Baum vor meinem Fenster und halten die Schnäbel.
Gestern überquerte ich bei einsetzendem Regen gerade eine Hauptstraße, kam aber nur bis zur Straßenmitte. Da fing es an zu pladdern. Ich holte meinen Regenschirm aus der Tasche und öffnete ihn, als schon eine etwa gleichaltrige Inderin in drei frechen Schritten auf mich zugeflüchtet kam und sich zu mir unter den Schirm rettete. Überrascht von dieser scheinbaren Selbstverständlichkeit - sie grinste mich kurz einnehmend an - überquerte ich mit ihr die Straße. Auf dem Bürgersteig angekommen sagten wir nur kurz freundlich "Bye" und gingen jeder in eine andere Richtung...
Es regnet. Aber wenn der Regen vorbei ist, dauert es keine halbe Stunde, bis das liegengebliebene Wasser restlos verdunstet ist. Dann ist ein jeder schon längst wieder mit seiner Arbeit befasst und hat das gedmämpfte Zusammenhocken in der Gruppe von eben schon fast wieder vergessen. Kein Wunder, es gehört wohl in dieser Jahreszeit so selbstverständlich zum Alltag dazu wie beispielsweise die ganzjährig überfüllten Busse.
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